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Nach dem Bunker-Fall in Traben-Trarbach
Polizei wappnet sich gegen Cyberkriminalität

Traben-Trarbach/Mainz. In Rheinland-Pfalz steigen Fälle von Cyber-kriminalität. Daher sollen mehr Informatiker zur Polizei. Die Verdächtigen von Traben-Trarbach stehen kurz vor der Anklage. Von Florian Schlecht

Bis zum Frühjahr plant der Koblenzer Generalstaatsanwalt Jürgen Brauer, die Verdächtigen anzuklagen, die im stillgelegten Nato-Bunker von Traben-Trarbach ein Rechenzentrum betrieben haben, über das in Hunderttausenden Fällen Drogen, Waffen und Kinderpornos verkauft worden sein sollen. Christian Wollstadt vom Landeskriminalamt (LKA) sagte am Montag in Mainz, dass die Auswertung von 403 sichergestellten Servern so gut wie beendet sei. Zwei Drittel der Server seien bereits grob gesichtet worden, nur bei dreien sei den Ermittlern bislang kein Zugriff möglich, weil Daten verschlüsselt seien, sagte der Kriminalexperte. Alles, was auf den Servern gehostet wurde, sei „kriminell“. Wichtig sei nun, laufende Fälle ausschließen zu können, bei denen Kinder von sexuellem Missbrauch betroffen sein könnten, betonte Wollstadt, der damit rechnet, dass die Ermittlungen bis Anfang Februar abgeschlossen sind.

Die Razzia gegen eine mutmaßliche Bande in Traben-Trarbach hatte europaweit für Furore gesorgt und gilt als einer der größten Schläge gegen Cyberkriminalität überhaupt.

Straftaten solcher Art nehmen in Rheinland-Pfalz rasant zu. 13 590 Fälle von Cyberkriminalität habe es 2019 insgesamt gegeben, 7,9 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Die wahre Zahl sei um ein Vielfaches höher, sagte LKA-Vizechef Achim Füssel. Der größte Teil der Straftaten (54 Prozent) hing mit Online-Shopping zusammen, 770 Fälle entfielen auf Kinderpornografie. Innenminister Roger Lewentz (SPD) kündigte eine neue Strategie an, um Internetganoven das Handwerk zu legen. Das Land setze darauf, mehr Informatiker nach dem Studium zur Polizei zu locken, wo sie sich über eine zwölfmonatige Zusatzqualifikation zum Oberkommissar ausbilden lassen können.