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Coronavirus in Germersheim (Pfalz)
Gefangen in der Quarantäne-Kaserne

 Coronavirus in Germersheim: Soldaten stehen vor der Südpfalz-Kaserne, in der mehr als 100 deutsche China-Rückkehrer rund 14 Tage lang unter Quarantäne stehen sollen.
Coronavirus in Germersheim: Soldaten stehen vor der Südpfalz-Kaserne, in der mehr als 100 deutsche China-Rückkehrer rund 14 Tage lang unter Quarantäne stehen sollen. FOTO: dpa / Frank Rumpenhorst
Germersheim. Wenige Stunden nach der Ankunft von mehr als 100 Deutschen aus der chinesischen Krisenregion Wuhan wird bei zwei Rückkehrern das Coronavirus nachgewiesen. Die beiden Betroffenen sind isoliert – und die restlichen Passagiere müssen vorerst in der Südpfalz bleiben. Von Wolfgang Jung (dpa)

Die schlechte Nachricht aus Frankfurt erreicht den Quarantäne-Block 4 der Südpfalz-Kaserne in Germersheim am frühen Morgen. Während sich viele der mehr als hundert Rückkehrer aus China noch von den Strapazen der langen Reise erholen, isoliert das Deutsche Rote Kreuz zwei von ihnen. Die beiden Erwachsenen waren nach ihrer Ankunft mit einer Bundeswehrmaschine am Vortag in Frankfurt positiv auf das Coronavirus getestet worden, das Ergebnis kam am Sonntag.

„Gefasst“ hätten sie auf den Befund reagiert, sagt ein Sprecher der Luftwaffe. Ein Spezialkrankenwagen bringt sie in die Uniklinik Frankfurt. Es sei richtig gewesen, dass man sich für eine zentrale Unterbringung der Rückkehrer entschieden habe, sagt Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Die Menschen würden in der Kaserne gut versorgt und medizinisch begleitet. Insgesamt saßen 126 Passagiere in der Bundeswehrmaschine aus Wuhan. Elf von ihnen waren sofort vom Flughafen aus in die Uniklinik Frankfurt gekommen. Darunter war ein Verdachtsfall, der sich nicht bestätigt hat. Von diesen elf Passagieren wurden bereits am Sonntag sieben in die Kaserne nach Germersheim gebracht.

Erst Samstagnacht waren die 115 anderen Rückkehrer nach ihrer Reise über Helsinki und Frankfurt in Germersheim angekommen. Mit Mundschutz und in Bussen mit der Aufschrift „Sonderfahrt“ passierten die Menschen die bewachten Tore der Südpfalz-Kaserne. Der Stützpunkt eines Luftwaffenausbildungsbataillons rund 100 Kilometer von Frankfurt entfernt gilt bei den Behörden als ideal für eine solche Quarantäne. Der Militärkomplex am Rande der Stadt mit rund 20000 Einwohnern verfügt unter anderem über ein neues Gebäude. „Das Gebäude wurde erst 2018 fertiggestellt“, sagt Hauptmann Josef Vollmer vor dem Haus mit der aufgemalten Zahl 4. Der Bau war bisher unbewohnt. Jetzt ist ein kleiner Raum mit Etagenbett und ein Badezimmer mit Handtuchwärmer für zunächst zwei Wochen das „Zuhause“ der Rückkehrer. Den Zimmern mit Internet, Kühlschrank und Flachbildfernseher ist der neue Zustand anzusehen. Das Verlassen des Gebäudes ist möglich, in einigem Abstand grenzt aber ein Zaun mit Sichtschutz das Areal ein.



Im Haus sollen sich die Rückkehrer mit Mundschutz bewegen und vor und nach Verlassen der Gemeinschaftsräume die Hände desinfizieren. Die Betreuer tragen besondere Schutzmasken.

Dutzende Menschen auf begrenztem Raum: „Die größte Gefahr ist der Lagerkoller“, hatte Michael Sieland vom Deutschen Roten Kreuz gesagt. Die Organisation ist vor Ort zuständig, auch für den Kontakt im Quarantäne-Block. „Die Betreuung in der roten Zone übernehmen 27 Freiwillige.“ Für die etwa zwei Dutzend Kinder liege Spielzeug bereit. Die rote Zone bezeichnet den Quarantäne-Block und das eingezäunte Areal unmittelbar um dieses Gebäude. Sie ist abgesperrt und bleibt den Rückkehrern und den Betreuern vorbehalten. Den Behörden ist anzumerken, dass sie es den Rückkehrern so angenehm wie eben möglich gestalten wollen.

Die Menschen in der Kaserne sollen mehrmals erneut auf das Virus 2019-nCoV untersucht werden. Mindestens zwei Wochen sollen sie in Germersheim bleiben. Bis zu 14 Tage dauert die Inkubationszeit – die Frist von der möglichen Ansteckung bis zum Krankheitsausbruch.

Wird in dieser Zeit eine Infektion entdeckt, müssen nicht alle Rückkehrer automatisch länger bleiben. „Die Menschen werden in vier Gruppen eingeteilt. Wenn Merkmale einer Erkrankung auftauchen, muss nur die betroffene Gruppe bleiben – drei Gruppen können aber heimgehen“, hatte Landrat Fritz Brechtel (CDU) angekündigt.

Und wie sehen die Bewohner der südpfälzischen Stadt die Quarantäne? Sprach man mit Menschen in den vergangenen Tagen, also vor Bekanntwerden der beiden Fälle, zeigten sich viele eher gelassen. Allerdings berichtete die örtliche Zeitung Die Rheinpfalz auch, dass in den örtlichen Apotheken die Verkaufszahlen für Mundschutz und Desinfektionsmittel in die Höhe geschnellt seien.

Mediziner warnen jedoch vor Panik. „Experten sagen: Das Virus ist nicht so aggressiv wie befürchtet. Die Gefahr für die deutsche Bevölkerung bleibt gering“, sagte der südpfälzische Bundestagsabgeordnete Thomas Gebhart am Samstag. Der CDU-Politiker ist Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesgesundheitsministerium. „Wir minimieren mit der Quarantäne das Risiko – es ist eine reine Vorsichtsmaßnahme“, sagte Gebhart. Auch Professor Hans-Willi Maria Breuer, Chefarzt für Innere Medizin am Knappschaftsklinikum in Sulzbach, weist darauf hin, dass es wichtig sei, behutsam vorzugehen: „Um herauszufinden, ob es sich um das Coronavirus oder eine Erkältung handelt, muss man detektivische Hintergrundarbeit betreiben, fast wie in der Serie ‚Dr. House‘.“

Auch im Saarland hatte es in der vergangenen Woche drei Verdachtsfälle gegeben, die sich am Freitagabend als falscher Alarm herausstellten. In allen drei Fällen hatten die betroffenen Personen Kontakt in die chinesische Krisenregion. Eine Frau war wegen Verdachts auf Coronavirus an der Homburger Uniklinik isoliert worden. Erst ein Test brachte am Abend Gewissheit: Sie war nicht infiziert.

 Mehrere Busse mit der Auszeichnung „Sonderfahrt“ brachten am Samstagnachmittag die aus China evakuierten deutschen Passagiere vom Frankfurter Flughafen in die Kaserne ins südpfälzische Germersheim.
Mehrere Busse mit der Auszeichnung „Sonderfahrt“ brachten am Samstagnachmittag die aus China evakuierten deutschen Passagiere vom Frankfurter Flughafen in die Kaserne ins südpfälzische Germersheim. FOTO: dpa / Frank Rumpenhorst