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Capricorn zahlt Rate für Nürburgring später

Nürburg. 77 Millionen Euro soll Capricorn für den Nürburgring hinlegen, nur fünf Millionen sind bislang geflossen. Die Zahlung einer Rate wurde nun verschoben. Hintergrund ist, dass noch immer die Entscheidung der EU zu Ring-Beihilfen und zur Rechtmäßigkeit des Verkaufs aussteht. dpa-Mitarbeiter Christian Schultz

Die sich hinziehende Entscheidung der EU-Kommission zum Nürburgring wirkt sich auf die Umsetzung des Kaufvertrages zwischen den Ring-Sanierern und Capricorn aus. Eine zweite Rate des Kaufpreises in Höhe von fünf Millionen Euro , die die Capricorn Nürburgring GmbH (CNG) eigentlich bis Ende Juli überweisen sollte, wurde bislang nicht gezahlt. Dies soll nun erst geschehen, wenn eine Entscheidung aus Brüssel vorliegt, wie Ring-Sachwalter Jens Lieser gestern sagte. Der Kaufvertrag sei entsprechend nachjustiert worden. Darüber hatte die "Rhein-Zeitung" berichtet. Grundsätzlich sehen die Beteiligten den Ring-Verkauf aber nicht in Gefahr.

"Wir haben eine zeitliche Verschiebung der zweiten Kaufpreisrate", sagte der Sprecher der Ring-Sanierer, Pietro Nuvoloni. Von einer Krise am Nürburgring könne aber keine Rede sein. "Wir gehen weiter davon aus, dass der Verkauf durchgeführt wird", sagte Lieser . Dass es zu der Verzögerung der Ratenzahlung gekommen sei, liege weder an den Nürburgring-Sanierern noch an Capricorn. Man sei bei Vertragsschluss von einer früheren EU-Entscheidung ausgegangen. "Diese gemeinsame Annahme hat sich als falsch erwiesen."

Capricorn-Chef Robertino Wild sagte der dpa, die zweite Kaufpreisrate sei in Absprache mit dem Verkäufer noch nicht geleistet worden. "Ich halte das für einen ganz normalen Prozess." Beide Seiten seien im Frühjahr von einer zeitnahen EU-Entscheidung ausgegangen, zu der sei es aber eben noch nicht gekommen. Mit der späteren Ratenzahlung entstehe niemandem ein Schaden, da das Geld im Falle einer Zahlung Ende Juli auf einem Treuhandkonto geparkt worden wäre. Mit Zahlungsschwierigkeiten habe die Verzögerung überhaupt nichts zu tun.

Lieser erwartet, dass die Entscheidung in Brüssel im Herbst fällt. Die Kommission prüft frühere Beihilfen für den Ring und Beschwerden von unterlegenen Mitbewerbern gegen den Verkaufsprozess. Einwände gegen den Verkauf an Capricorn hatten aus ganz unterschiedlichen Gründen der US-Finanzinvestor HIG Capital, das US-Konsortium Nexovation, der Automobilclub ADAC und der Verein "Ja zum Nürburgring " erhoben. Sollte Brüssel den Verkauf für nicht EU-rechtskonform halten, könnte Capricorn vom Kauf zurücktreten. Insofern könne der Vertrag auch erst dann umgesetzt werden, wenn eine rechtskräftige Entscheidung der EU-Kommission vorliege, betonte Lieser . Dass die Behörde so lange darüber brütet, erklärt sich der Nürburgring-Sachwalter damit, dass dort zuletzt die gesamte Arbeitsebene ausgetauscht worden sei und sich neue Leute zunächst einarbeiten müssten.

Der Nürburgring war im Frühjahr für einen Kaufpreis von 77 Millionen Euro an den Düsseldorfer Autozulieferer Capricorn gegangen. Eine erste Rate von fünf Millionen Euro sei bereits nach dem Vertragsschluss im März geflossen, sagte Lieser . Geplant ist, dass der Ring Anfang 2015 an die CNG übergeht. Sollte bis dahin noch immer kein EU-Entscheid vorliegen, werde der Ring zunächst an die Gesellschaft verpachtet, sagte Lieser . Die Pachtzahlungen würden dann mit dem Kaufpreis verrechnet. Das sei schon im ursprünglichen Kaufvertrag so vereinbart worden.