| 20:54 Uhr

Bundesgartenschau 2029
Die nächste Rhein-Buga ist schon in Sicht

Koblenz. Statt 2031 geht die Bundesgartenschau in der Weltkulturerbe-Landschaft Oberes Mittelrheintal bereits 2029 über die Bühne – und lässt schon jetzt die Hoffnungen blühen. Von Roland Morgen

Manchmal wiederholt sich Geschichte doch. So im Falle von Koblenz. Die Stadt kam 2011 vorzeitig in den Genuss, Bundesgartenschau-Standort zu sein und profitierte dabei vom Rückzieher Duisburgs. Ursprünglich hatte sich Koblenz für 2013 und 2015 beworben. Für die Bundesgartenschau (Buga) 2029 hatte sich zunächst München beworben – und sprang ab. Den Bayern war die Vorbereitungszeit dann doch zu kurz..

So kommt eben das Obere Mittelrheintal vorzeitig zum Zuge. Statt 2031, wie zunächst beantragt, geht dort die Buga zwei Jahre früher über die Bühne. Kürzere Vorbereitungszeit? Kein Problem. Man kennt sich ja aus damit. Um seine 2011er Schau aus dem Boden zu stampfen, hatte Koblenz nur sieben Jahre Zeit. Jetzt sind es drei mehr.

Dass Koblenz erneut zu Gartenschau-Ehren kommt, verdankt es seiner Lage. Die Stadt am Zusammenfluss von Mosel und Rhein markiert das nördliche Ende des zum Unesco-Weltkulturerbe gehörenden Oberen Mittelrheintals, das 67 Kilometer weiter stromaufwärts bei Bingen und Rüdesheim am gegenüberliegenden Ufer beginnt.



Die Vorfreude bei den (teils hessischen) Anrainern ist groß. Schließlich steht Koblenz als leuchtendes Vorbild da. 2011 gilt als das „Wachmacher-Jahr“. Damals habe, wie es im Rathaus hinter vorgehaltener Hand anschaulich formuliert wird, eine bis dahin „piefige Beamtenstadt einen Tritt in den Allerwertesten bekommen und sich so herausgeputzt, dass nun auch junge Leute gerne hier leben“.

Zu den nachhaltigen Buga-Errungenschaften gehören ansehnlich aufgemöbelte Uferpromenaden und das touristisch erschlossene Plateau Ehrenbreitstein samt Festung. Und natürlich die beides über den Rhein hinweg verbindende Seilbahn. Die muss, Stand jetzt, 2026 wieder abgebaut werden, um den Welterbe-Status des Mittelrheintals nicht zu gefährden. In Koblenz hofft man jedoch inbrünstig, dass die ­Unesco mit Blick auf 2029 das Verfallsdatum in fernere Zukunft rücken oder ganz vergessen möge. Schließlich befördern die Kabinen jährlich rund 700 000 Passagiere und leisten damit einen wirksamen Umweltschutz-Beitrag.

Und was ist von der nächsten Rhein-Buga zu erwarten? Schwerpunkt, heißt es auf buga2029.blog sei eine „Welterbe-verträgliche“ Tourismuswirtschaft, in der neue Arbeitsplätze entstehen und Natur und Kultur erhalten bleiben können. Von den geplanten grundlegenden Erneuerungen und Sanierungen dürften vor allem das Loreley-Plateau und Dutzende Burggärten profitieren. Zudem soll es schwimmende Blumenhallen geben.

„Die Erwartungen und Hoffnungen sind groß“, sagt Mareike Buchmann, stellvertretende Geschäftsführerin der Loreley-Touristik. „Die Gartenschau kann d a s Instrument für die Weiterentwicklung des Oberen Mittelrheintals sein und Projekte anstoßen, die es sonst nicht geben würde. Und daran glauben wir. Deshalb herrscht auch eine große Aufbruchstimmung.“

Obwohl es ja noch neuneinhalb Jahre dauert, bis die halbjährige Buga startet. Im November 2029 ist sie schon wieder vorbei. Viele Früchte sollen aber noch Jahrzehnte später geerntet werden können. Innenminister Roger ­Lewentz, der als geistiger Vater der Welterbe-Buga gilt, denkt, dass die damit einhergehende Modernisierung der öffentlichen Infrastruktur kräftiges privates Engagement nach sich zieht.

In Koblenz kamen bei einem Buga-Budget von 102 Millionen Euro rund 500 Millionen Euro an zusätzlichen Investitionen zusammen. Heute ahnt man dort, dass getreu dem Motto „Ihr habt den großen Spaß ja schon 2011 gehabt, jetzt sind wir dran“, beim nächsten Mal ein deutlich kleineres Stück vom Buga-Kuchen (geplante Kosten: 108 Millionen Euro) abfällt – und weckt vorab mit ureigenen Projekten internationale Aufmerksamkeit. Koblenz-Touristik-Chef Claus Hofmann liebäugelt mit einer Seilrutsche von der Ehrenbreitsteiner Festung in die City. Mutige können sich mit Rollen am Seil einhängen lassen und auf eine 1200 Meter lange Schussfahrt über den Fluss begeben. Spitzentempo: 115 km/h. R(h)einfall ausgeschlossen.

Touristische Infos zum Rhein gibt es ­online zum Beispiel unter:
www.romantischer-rhein.de
und www.gastlandschaften.de