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Forderung eines Saarländers akzeptiert
Bürgermeister von Herxheim will umstrittenes Zitat unterlassen

Georg Welker, der neue Bürgermeister von Herxheim am Berg, will nun seine jüngste Aussage über Juden unterlassen.
Georg Welker, der neue Bürgermeister von Herxheim am Berg, will nun seine jüngste Aussage über Juden unterlassen. FOTO: dpa / Jasper Rothfels
Bad Dürkheim. Seine Äußerung über Juden und die NS-Zeit hat Georg Welker jetzt vor Gericht gebracht. Seit gestern ist er bereit, den Satz nicht zu wiederholen.

Der neue Bürgermeister von Herxheim am Berg, Georg Welker (parteilos), hat sich verpflichtet, eine umstrittene Äußerung über Juden, die NS-Zeit und die deutsche Staatsangehörigkeit nicht zu wiederholen. Nach einer mitunter emotional verlaufenen Verhandlung vor dem Amtsgericht Bad Dürkheim akzeptierte der 71-Jährige gestern die Forderung eines Mannes aus dem Saarland.

Der 63 Jahre alte Gilbert Kallenborn hatte in einem Eilverfahren durchsetzen wollen, dass Welker eine im Zusammenhang mit der sogenannten Hitlerglocke von Herxheim am Berg getätigte Äußerung unterlassen muss. Dabei ging es um den Satz: „Ich sage nur: Ich höre die Opfer, das waren auch deutsche Bürger, also nicht nur die jüdischen.“ Der Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, Josef Schuster, hatte die Äußerung mit der Frage kommentiert, ob Welker andeute wolle, dass Juden damals keine deutschen Bürger gewesen seien. Das entspräche der Nazi-Ideologie. Kallenborn, nach eigenen Angaben jüdischen Glaubens, fühlte sich von den Äußerungen verletzt.

Welker sagte vor Gericht, er gebe zu, die Äußerung könne „in isolierter Form missverständlich“ sein. „Es ist für mich eine Selbstverständlichkeit, dass jüdische Bürger deutsche Bürger sind.“ Die Aussage, die in einem „Kontraste“-Interview im Fernsehen gefallen war, sei ein Reflex auf die Aussage einer Frau gewesen, die gesagt habe, wenn sie die Glocke höre, höre sie Hitler. Er habe an nicht-jüdische Opfer der NS-Zeit gedacht, die er einst als Pfarrer in Herxheim begraben habe. Die Kosten für das Verfahren wollte Welker, der sich in einen Rechtsstreit hineingezogen sah und in einer „finanzielen Falle“ fühlte, nicht übernehmen. Dafür solle Kallenborn aufkommen. Eine Entscheidung will die Richterin am 14. Februar verkünden.



Kallenborn, der von der Richterin mehrfach wegen Zwischenrufen ermahnt worden war, sagte nach der Sitzung, Welker habe versucht, seine Aussagen zu verwässern. „Sein allergrößtes Bedenken ist, wie viel Geld er zahlen muss.“ Kallenborn warf Welker wie andere Prozessbesucher auch vor, dass er die aus dem Jahr 1934 stammende Glocke hängenlassen will. Diese trägt ein Hakenkreuz und die Aufschrift „Alles fuer's Vaterland Adolf Hitler“. Welker sieht darin nach eigenen Angaben ein Mahnmal.

Die Glocke hängt zwar im Kirchturm des Ortes, gehört aber der politischen Gemeinde. Bislang ist noch nicht entschieden, was mit ihr passieren soll. Der Gemeinderat hatte eine Glockensachverständige um ein Gutachten zu dieser Frage gebeten. Dieses liegt seit Kurzem vor, soll aber bis zur nächsten Gemeinderatssitzung am 26. Februar unter Verschluss bleiben. Dann will der Gemeinderat eine Entscheidung über die künftige Verwendung der Glocke fällen. Wegen relativierender Aussagen über die NS-Zeit in Zusammenhang mit der Glocke war Welkers Vorgänger Ronald Becker (Freie Wähler) im vergangenen Jahr zurückgetreten.

Welker, der von 1978 bis 1998 als Pfarrer für Herxheim am Berg zuständig war, hat nach eigenen Angaben während dieser Zeit Konfirmanden die Glocke im Turm gezeigt und ihnen an dem Objekt die NS-Zeit erklärt. Nach seinen Angaben hat nun eine Frau bei der Evangelischen Kirche der Pfalz und beim Kreis Bad Dürkheim Dienstaufsichtsbeschwerde gegen ihn eingereicht, weil er sie nicht darüber informiert habe, was es mit der Glocke auf sich habe.

(dpa)