| 22:17 Uhr

Bringt Gen-Knolle Fortuna Glück?

Limburgerhof. Die einen Kartoffelpflanzen sehen aus, als hätten sie eine wochenlange Dürre hinter sich: Nur ein paar vertrocknete Blätter sind geblieben. Gleich daneben stehen Pflanzen, deren sattes Grün Appetit auf Kartoffeln machen. Gewachsen sind sie unter denselben Bedingungen wie die eingegangenen Pflanzen Von dpa-Mitarbeiter Marc Strehler

Limburgerhof. Die einen Kartoffelpflanzen sehen aus, als hätten sie eine wochenlange Dürre hinter sich: Nur ein paar vertrocknete Blätter sind geblieben. Gleich daneben stehen Pflanzen, deren sattes Grün Appetit auf Kartoffeln machen. Gewachsen sind sie unter denselben Bedingungen wie die eingegangenen Pflanzen. Das Geheimnis liegt in den Genen: Die gedeihende Kartoffel wurde so verändert, dass sie gegen die Kraut- und Knollenfäule resistent ist, eine hartnäckige Kartoffel-Krankheit. Fortuna wie die römische Glücksgöttin heißt diese neue Knolle aus den Laboren des Chemiekonzerns BASF. Aus ihr könnten in einigen Jahren schon Pommes hergestellt werden - wenn für die BASF alles glatt läuft: Dass die Genehmigung einer Gen-Pflanze in Europa ein Spiel mit vielen Unbekannten ist, diese Erfahrung macht das Unternehmen schon seit Jahren. Wartet der Chemiekonzern doch nach wie vor auf die EU-Genehmigung für seine genveränderte Stärkekartoffel Amflora. Dazu kommt die nach wie vor große Skepsis der Verbraucher in Deutschland und anderen Teilen Europas gegenüber genveränderten Pflanzen. Jetzt also Fortuna: Dem zuständigen Projektleiter der BASF-Agrartochter Plant Science, Thorsten Storck, merkt man den Stolz auf die Knolle an. Entwickelt wurde sie aus der Kartoffelsorte Agria, der zwei Gene eingepflanzt wurden. Die stammen von einer südamerikanischen Kartoffelsorte (Solanum bulbocastanum), der die Pilzkrankheit nichts anhaben kann. Eine Resistenz kann auch auf natürlichem Wege, also über Kreuzungen erreicht werden: Das ist allerdings ein sehr aufwendiges Verfahren, und es besteht die Gefahr, dass die Kartoffel ihre Resistenz bei einem weiteren Kreuzungsschritt wieder verliert. Außerdem kann es zu Lasten der Sorteneigenschaften einer Kartoffel gehen, also etwa Ertrag oder Qualität schmälern. Fortuna soll beides vereinen - Resistenz und gute Eigenschaften. Die bisherigen Versuche sind laut Storck vielversprechend. Ein Landwirt müsste dank der neuen Kartoffel künftig erheblich weniger Pilzgift auf seine Äcker sprühen. "Heute muss er zwölfmal im Jahr Fungizide spritzen, in besonders heftigen Jahren sogar 24 Mal", sagt Storck. 2014/15 könnte Fortuna auf den Markt kommen, wenn alles wie geplant laufe, schätzt Storck. Die Pommes-Produzenten sind seinen Worten zufolge prinzipiell interessiert, "aber die Kundenakzeptanz ist natürlich ein Thema". Heißt: Wer etwa den deutschen Verbrauchern heute Pommes frites aus genveränderten Kartoffeln verkaufen will, hat erst einmal ein Problem. Die Gentechnik-Expertin des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND), Heike Moldenhauer, sagt: "Wer soll das denn kaufen? Ich sehe nicht, dass es hier einen Markt gibt, in der EU ganz bestimmt nicht." Sie spricht von einem "tollkühnen Plan". Die BASF versucht, den Verbrauchern die Angst vor der grünen Gentechnik zu nehmen. Auf dem Gelände des BASF-Agrarzentrums im pfälzischen Limburgerhof können sich Besuchergruppen vor Ort über die Pflanzen informieren. "Wenn man mal vor einer solchen Kartoffel steht und sieht, dass sie auch nicht anders aussieht als andere Kartoffeln - dann verliert sie schon viel von ihrem Schrecken", sagt BASF-Plant-Science-Sprecherin Mette Johansson.