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Impressionen aus dem Landtag
„Bitte, bitte wählen Sie Herrn Baldauf!“

 Christian Baldauf, stellvertretender Landesvorsitzender der CDU, gestern in der Sitzung des rheinland-pfälzischen Landtags.
Christian Baldauf, stellvertretender Landesvorsitzender der CDU, gestern in der Sitzung des rheinland-pfälzischen Landtags. FOTO: dpa / Andreas Arnold
Mainz. Wurst, Wein und ein Wunsch: Warum die SPD der CDU zu dem Pfälzer rät. In den eigenen Reihen bekommt Baldauf ordentlich Gegenwind. Von Florian Schlecht

Sollte die rheinland-pfälzische CDU-Fraktionschefin Julia Klöckner als Ministerin nach Berlin wechseln, könnte die große Stunde von Christian Baldauf schlagen. Dürfte der Pfälzer die Fraktion dann anführen, weiß der 50-Jährige spätestens seit gestern, was die Stunde im Landtag schlägt. Dort erntet Baldauf bereits Gegenwind. Das führt so weit, dass SPD-Fraktionschef Alexander Schweitzer die CDU-Reihen förmlich nötigt: „Bitte, bitte, wählen Sie Herrn Baldauf zum neuen Fraktionschef.“ Später sagt Schweitzer dem Trierischen Volksfreund augenzwinkernd: „Ich könnte mit Herrn Baldauf in der Rolle gut leben.“

Was ist passiert? SPD, FDP und Grüne lassen den im Falle eines Klöckner-Wechsels gehandelten Nachfolger auflaufen, weil ihnen die von der CDU aufgerufene Debatte zu offen gehalten ist. Der Titel „Massive Kritik an der Personal- und Sachpolitik der Landesregierung“ endet im Wirrwarr: Baldauf kritisiert fehlende Stellen in Gefängnissen und das Rechtsverständnis der vom höchsten Richter im Land gescholtenen Integrationsministerin Anne Spiegel (Grüne). Die Redner, die folgen, sprechen über Straßen, Lehrer, Kitas. AfD-Chef Uwe Junge davon, dass „ein Hund lieber einen Wurstvorrat anlegt als die Sozen einen Geldvorrat“. Oh, und um Wein geht’s auch noch. Viele Themen, keine Tiefe. „Ich hoffe, dass die Nachfolge in der CDU bald geklärt ist, damit wir nicht dauernd die Bewerbungsreden von Herrn Baldauf im Landtag hören“, sagt Schweitzer. Bernhard Braun (Grüne) fragt den CDU-Mann mit Blick auf die AfD, ob er „nur noch die Kaspereien mitmacht, die die Kasper auf der anderen Seite machen“. Baldauf wiederum stört das fehlende Eingehen auf seine Kritik. Das rot-gelb-grüne Empfangskomitee hat ihn lieber begrüßt, obwohl ein Klöckner-Wechsel nicht klar ist. Der Vulkaneifeler Marco Weber (FDP) nimmt trotzdem schon mal Abschied: „Ich wünsche Ihnen alles Gute, Frau Klöckner.“