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Bis 2017 tausend Lehrer weniger

Mainz. Angesichts sinkender Schülerzahlen will Rheinland-Pfalz in den kommenden fünf Jahren 1850 Lehrerstellen einsparen. Das hat Bildungsministerin Doris Ahnen (SPD) am Freitag in Mainz angekündigt. Die Ressortchefin berief sich dabei auf ein Gutachten des Bildungsforschers Klaus Klemm zum Lehrerbedarf im Auftrag ihres Ministeriums, das am Freitag in Mainz vorgestellt wurde

Mainz. Angesichts sinkender Schülerzahlen will Rheinland-Pfalz in den kommenden fünf Jahren 1850 Lehrerstellen einsparen. Das hat Bildungsministerin Doris Ahnen (SPD) am Freitag in Mainz angekündigt. Die Ressortchefin berief sich dabei auf ein Gutachten des Bildungsforschers Klaus Klemm zum Lehrerbedarf im Auftrag ihres Ministeriums, das am Freitag in Mainz vorgestellt wurde.Demnach sollen 1050 Planstellen bis 2017 gestrichen werden, zudem soll der Gegenwert von 800 dauerhaften Planstellen im Topf für befristete Vertretungslehrer eingespart werden. Insgesamt soll der Haushalt so umgerechnet um rund 111 Millionen Euro entlastet werden.

Dem Gutachten zufolge dürfte sich die Zahl der Schüler im Land von derzeit rund 569 000 bis zum Schuljahr 2016/17 um mehr als zehn Prozent auf knapp 509 000 verringern. Dadurch sinke der Bedarf an Lehrern um rund 3800. Um aber die Unterrichtsversorgung und -qualität zu verbessern, werde der Abbau auf 1050 Stellen beschränkt. Zudem sollen Mittel für befristete Vertretungsverträge in 800 dauerhafte Planstellen umgewandelt werden, um den Pool an Vertretungslehrern aufzustocken.

Ziel ist es laut Ministerium unter anderem, die durchschnittliche Zahl der Schüler pro Lehrer zu senken. Während zu Beginn der Legislaturperiode in Rheinland-Pfalz auf einen Lehrer durchschnittlich 15,9 Schüler gekommen seien, sollen es bis zum Schuljahr 2016/17 nur noch 14,7 sein. Im Vergleich dazu liegt der Durchschnitt aller Bundesländer nach Angaben des Experten Klemm derzeit bei 15,7 Schülern pro Lehrer.



Mit Blick auf Pädagogen, die in den Ruhestand gehen, werden bis 2017 voraussichtlich 5100 Lehrer eingestellt. Pro Jahr soll es mehr als 1000 Einstellungen geben, um kontinuierlich neue Lehrer an die Schulen zu bringen.

"Am Ende der Legislaturperiode wird in Rheinland-Pfalz mehr Geld pro Schüler ausgegeben als jemals zuvor", sagte der Grünen-Fraktionsvorsitzende Daniel Köbler. Das sei ein großer Erfolg für die Landesregierung. Kritik kam dagegen von der oppositionellen CDU. Es zeige sich, dass die Landesregierung den Unterrichtsausfall gar nicht beseitigen wolle, sagte die bildungspolitische Sprecherin der CDU-Fraktion Bettina Dickes. Die sinkenden Schülerzahlen böten die Möglichkeit, die Unterrichtsversorgung zu 100 Prozent zu gewährleisten. "Das nutzt die Landesregierung aber nicht." Stattdessen plane das Ministerium dauerhaft mit einem Unterrichtsausfall der Schulen wie in den letzten Jahren. Dickes: "Das heißt im Klartext, dass Rot-Grün auf Kosten der Bildung der Schüler spart, während in Hessen beispielsweise schon für das kommende Schuljahr mit einer Unterrichtsversorgung von über 100 Prozent geplant wird."

Der Philologenverband Rheinland-Pfalz betonte, in dem Gutachten sei es vor allem darum gegangen, wie die Sparbeschlüsse der rot-grünen Landesregierung umgesetzt werden könnten. Die gravierende Unterfinanzierung der Schulen bleibe aber bestehen, sagte der Vorsitzende Malte Blümke. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Rheinland-Pfalz (GEW) bemängelte, die "demografische Rendite" werde nicht vollständig in den Bildungsbereich investiert. dpa/red

Foto: Schlesinger/dpa