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Aber dennoch 12 Prozent Rückgang bis 2070
Bevölkerungs-Schwund niedriger als erwartet

Mainz. Zuwanderung und mehr Geburten bremsen die demographischen Probleme in Rheinland-Pfalz. Doch die größte Herausforderung bleibt.

Die Zahl der Rheinland-Pfälzer geht in den kommenden Jahrzehnten etwas langsamer zurück als bisher erwartet. Als Ursachen nannte der Präsident des Statistischen Landesamts, Marcel Hürter, gestern die hohe Zuwanderung in den vergangenen Jahren und eine gestiegene Geburtenrate.

Innenstaatssekretär Randolf Stich (SPD) sagte, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft müssten auf die anstehenden Veränderungen reagieren. Dann könne der demografische Wandel als Chance gesehen werden.

Die Berechnungen bilden die Grundlage für längerfristige Planungen etwa für Schulen, Krankenhäuser oder Verkehr.



Bis 2040 werden mit 4,07 Millionen nahezu 106 000 weniger Menschen in Rheinland-Pfalz leben als 2017, dem Basisjahr der neuen Analyse. Langfristig erwarten die Experten bis 2070 einen Rückgang der Bevölkerung um 12,1 Prozent auf 3,58 Millionen Einwohner.

Von 2011 bis 2017 stieg die Geburtenzahl in Rheinland-Pfalz um rund 20 Prozent. Zu dieser Entwicklung „haben die ausländischen Frauen einen großen Beitrag geleistet“, sagte Ludwig Böckmann, Mitautor der 174-seitigen Analyse. Obwohl Ausländerinnen nur einen Anteil von 16 Prozent aller Frauen im gebärfähigen Alter von 15 bis 45 Jahren stellten, entfielen auf sie 55 Prozent des Zuwachses. Als einen Grund nannte Böckmann die hohe Zuwanderung aus Ländern mit traditionell hohen Geburtenraten wie Afghanistan, Irak und Syrien.

Für den demografischen Wandel sei allerdings die Entwicklung der Altersstruktur wesentlicher als die der Bevölkerungszahl, sagte Hürter. Der sogenannte Altenquotient – das ist der Anteil der über 65 Jahre alten Menschen bezogen auf 100 Menschen im erwerbsfähigen Alter von 20 bis 65 Jahren – werde von 36 (2017) auf 56 (2040) und langfristig auf 61 (2070) steigen. Hingegen verharrt der Jungenquotient der unter 20-Jährigen im Verhältnis zu den 20- bis 65-Jährigen bei gut 30 Prozent. Dies bedeutet, dass 2070 in Rheinland-Pfalz nur noch die Hälfte der Menschen im erwerbsfähigen Alter sein wird.