| 00:06 Uhr

63-Jähriger überrascht Parteifreunde in der CDU
Bernhard Matheis tritt nicht mehr an

Der Pirmasenser Oberbürgermeister Bernhard Matheis: Der 63-jährige CDU-Politiker will nicht mehr für das Amt des Stadtoberhaupts kandidieren und begründet dies mit Herz-Problemen.
Der Pirmasenser Oberbürgermeister Bernhard Matheis: Der 63-jährige CDU-Politiker will nicht mehr für das Amt des Stadtoberhaupts kandidieren und begründet dies mit Herz-Problemen. FOTO: dpa / Andreas Arnold
Pirmasens. Der Pirmasenser Oberbürgermeister (CDU) verzichtet auf eine Kandidatur und begründet dies mit gesundheitlichen Problemen. Für ihn soll nun Markus Zwick antreten. Vorsitzender seiner Partei in Pirmasens will Matheis aber bleiben. Von Guido Glöckner

Der Pirmasenser Oberbürgermeister Bernhard Matheis (CDU) wird am 28. Oktober bei der Oberbürgermeister-Wahl nicht mehr antreten. Der 63-Jährige hat am Mittwochnachmittag seinen Verzicht auf die Kandidatur für eine dritte Amtszeit bekannt gegeben – aus gesundheitlichen Gründen. Für die Christdemokraten soll Bürgermeister Markus Zwick kandidieren. Die Entscheidung des Oberbürgermeisters, der seit 15 Jahren an der Stadtspitze steht, kam überraschend – auch für seine engen politischen Mitstreiter. Erst am Montag hatte er Zwick als seinen Stellvertreter über seine Absicht informiert, am Dienstag erfuhren die CDU-Stadtratsfraktion und der Pirmasenser Parteivorstand über seinen Entschluss – am Mittwoch die Bürger. „Ich weiß, dass dies auch eine Überraschung für die Partei war, denn es war anders geplant“, erklärte Matheis auf einer Pressekonferenz. Allerdings habe sich erst in den vergangenen Wochen herausgestellt, dass schon länger bestehende Herzprobleme eine weitere Amtszeit als Oberbürgermeister auf dem Niveau der vergangenen Jahre nicht mehr zulassen.

Nach einem – erfolgreich verlaufenen – kardiologischen Eingriff vor wenigen Tagen hatten die Ärzte Matheis deutlich gemacht, dass seine gesundheitlichen Probleme zurückkommen könnten, wenn er auf Dauer nicht kürzer trete. Gespräche mit der Familie und engen Freunden haben dann den Entschluss reifen lassen, auf eine weitere achtjährige Amtszeit zu verzichten.

 Matheis hat Bürgermeister Markus Zwick als CDU-Oberbürgermeisterkandidaten vorgeschlagen. Einstimmig sind Fraktion und Vorstand ihm dabei gefolgt, der 40-jährige Jurist wird dem CDU-Kreisparteitag am 22. Mai als Oberbürgermeisterkandidat empfohlen. An diesem Abend stehen auch Neuwahlen des CDU-Stadtvorstand an, wobei Matheis für eine Wiederwahl als Pirmasenser Parteivorsitzender kandidiert.



„Ich habe damit nicht gerechnet, auch ich bin überrascht über diese Entwicklung“, äußerte sich Zwick. Er stehe als Oberbürgermeisterkandidat zur Verfügung, wenn es die CDU-Mitglieder denn wollen. Daran hat der Vorsitzende der Stadtratsfraktion, Denis Clauer, keine Zweifel: „Markus Zwick ist bestens geeignet und qualifiziert für dieses Amt, hat als Nummer zwei im Rathaus auch die beste Ausgangsbasis.“

Matheis’ Entscheidung hat große Auswirkungen auf die Stadtspitze in den nächsten Monaten und Jahren. Egal, wer noch kandidieren wird, das entscheidende Duell wird nun Markus Zwick (CDU) gegen Sebastian Tilly (SPD) heißen.

Die SPD-Spitze hat ihren 34-jährigen Fraktionssprecher vorgeschlagen, die Pirmasenser CDU-Mitglieder werden am 22. Mai auf ihrem Kreisparteitag entscheiden. Nachdem die Stadtratsfraktion und der Stadtvorstand der Christdemokraten sich schon einstimmig für Zwicks Kandidatur ausgesprochen haben, besteht kaum ein Zweifel, dass ihn der Parteitag nominiert.

Bei der Bekanntgabe des Matheis-Verzichts und der Zwick-Kandidatur am Mittwoch machte der 40-jährige Bürgermeister deutlich, dass seine Partei ohnehin auf ihn gesetzt hatte als Matheis-Nachfolger – allerdings in ferner Zukunft.

Nun muss Zwick schon nach einem Jahr als Bürgermeister kandidieren – und Neuland betreten. Denn Wahlkampf hat er bisher nicht kennengelernt, Ur-Wahl stand für ihn bislang nicht auf dem Programm – das gestand er am Mittwoch auch gerne ein.

Zwick kündigte an, dass er ein wirklicher „Erbe“ des jetzigen Oberbürgermeisters sein will. Der zweifache Familienvater, der mit Frau und Kindern im Juli von Leimen nach Pirmasens zieht, steht für die Linie, die Matheis in den vergangenen Jahren gefahren ist. Dieser wies auf die Impluse hin, die während seiner Amtszeit in der Stadt gesetzt wurden, um diese „aus der sozialen und wirtschaftlichen Depression der 90er Jahre zu holen“.

In der Tat: Unter Matheis hat sich Pirmasens verändert. Rheinberger, Forum Alte Post, Jugendherberge, Husterhöhe – diese Schlagworte stehen für seine Politik. Diese will Zwick nun fortsetzen, machte aber auch deutlich, dass er stark auf die Themen Arbeit und Soziales im Wahlkampf setzen will, denn als Sozialdezernent wisse er, dass es immer noch gelte, die sozialen Probleme der Stadt zu überwinden – sein wichtigstes Zukunftsprojekt: Der dritte Arbeitsmarkt für die Stadt.

Auch auf die vierköpfige Stadtspitze hat der Verzicht Matheis’ Auswirkungen. Sie wird innerhalb von nicht einmal zwei Jahren dadurch ein vollkommen neues Gesicht bekommen. Im vergangenen Jahr verabschiedete sich schon Bürgermeister Peter Scheidel (CDU), den Markus Zwick beerbte, auch die Beigeordnete Helga Knerr ging und übergab an Jürgen Stilgenbauer – beide gehören dem Freien Wählerblock (FWB) an.

Nun wird es im Frühjahr 2019 noch einmal zu einem großen Wechsel kommen: Im April endet die Amtszeit von Matheis, sodass es einen neuen Oberbürgermeister geben wird. Sollte es Zwick sein, gilt es, auch einen neuen Bürgermeister zu finden. Und einen Monat später wird der hauptamtliche Beigeordnete Michael Schieler in den Ruhestand gehen. Der Bau- und Finanzdezernent muss also auch noch ersetzt werden. Im nächsten Sommer wird Pirmasens also eine komplett neue Stadtspitze haben.