| 22:51 Uhr

Wie die Polizei mit Tätowierungen umgeht
Polizisten müssen ihre Tattoos verdecken

Eine angehende Wachpolizistin sitzt in der Hochschule der Sächsischen Polizei in einem Hörsaal – auf ihrem Arm eine Tätowierung. In Rheinland-Pfalz wurde jetzt der Umgang mit Tattoos bei der Polizei neu geregelt.
Eine angehende Wachpolizistin sitzt in der Hochschule der Sächsischen Polizei in einem Hörsaal – auf ihrem Arm eine Tätowierung. In Rheinland-Pfalz wurde jetzt der Umgang mit Tattoos bei der Polizei neu geregelt. FOTO: dpa / Sebastian Kahnert
Mainz. Ein Tattoo ist tabu bei Polizisten — wenn es auf dem Arm sichtbar ist, muss es verdeckt werden. Für andere Fälle gibt es Spielraum. Die Regelung ist Folge einer Studie, die zeigt: Tattoos wirken sich nachteilig auf den Respekt vor Polizisten aus.

Kleines Tattoo – große Wirkung. Eine Studie der Hochschule der Polizei Rheinland-Pfalz zum Effekt von Körperschmuck hat ergeben, dass bei Bürgern Respekt und Vertrauen sinken, wenn ein Polizist sichtbar tätowiert oder gepierct ist. Das Ergebnis der Befragung von 241 zufällig ausgewählten Bürgern zwischen 13 und 81 Jahren ist teils auch in der Polizei eine Überraschung gewesen. Für den Umgang mit Tattoos bei Polizisten war bisher ein Rundschreiben maßgebend, nach dem Tätowierungen nur erlaubt sind, wenn sie beim Tragen kurzärmeliger Hemden nicht zu sehen sind. Nun gibt es eine Übergangsregelung.

Wenn ein Tattoo nicht zu sehen ist, gibt‘s nichts zu beanstanden. Wenn es sich auf dem Arm befindet, muss es verdeckt werden – dann ist ein langärmeliges Hemd vorgeschrieben. Kleine Tattoos sind zulässig, solange sie unauffällig sind. Anders ist es, wenn die Tätowierung nicht verdeckt werden kann – etwa hinter dem Ohr: Der Behördenleiter soll dann den Einzelfall prüfen. Weiter gilt: Der Körperschmuck darf nicht diskriminierend sein. Auch der Umgang mit Piercings ist geregelt – sie sind erlaubt, wenn keine Verletzungsgefahr besteht. Das heißt praktisch: an Nase und Ohren ja, an Augenbrauen und Mund nein.

Das rheinland-pfälzische Innenministerium arbeitet an einer gesetzlichen Grundlage. „Wir sehen auf der einen Seite, dass Respekt und Vertrauen gegenüber Polizisten abnehmen, je deutlicher sichtbar Tätowierungen sind“, sagt der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz (SPD). „Auf der anderen Seite wollen wir möglichst allen guten und geeigneten jungen Leuten den Einstieg in die Polizei ermöglichen.“ Die Abdeckung von Tätowierungen im sichtbaren Bereich sei grundsätzlich einfach umzusetzen. Die Anordnung ging in der vergangenen Woche an die Polizeipräsidien. Sie gilt ebenfalls für die Studenten an der Hochschule der Polizei, die auch auf dem Campus ihre Uniform tragen.



Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) begrüßt, dass es zu einer Regelung kommt. „Wir wollen uns nicht gänzlich einem gesellschaftlichen Trend verschließen“, sagt die rheinland-pfälzische GdP-Vorsitzende Sabrina Kunz. Man müsse aber sehen, dass die negative Wirkung auf Autorität, Akzeptanz und Respekt umso größer sei, je sichtbarer eine Tätowierung sei. Man müsse auch trennen zwischen einem geschmacklosen, einem sozial adäquaten Körperschmuck und der Eigensicherung wegen eines Verletzungsrisikos. Wie praktikabel ist die Übergangsregelung? „Das wird am Ende die Erfahrung zeigen“, sagt die GdP-Landesvorsitzende.

Ein Polizeioberkommissar in Bayern, der sich den hawaiianischen Gruß „Aloha“ auf den linken Unterarm tätowieren ließ, kassierte vor wenigen Tagen ein Verbot. Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof sah die Dienstanweisung, dass Polizisten keine sichbaren Tattoos tragen dürfen, durch das Beamtengesetz gedeckt (Az.: 3 BV 16.2072).

In Kassel war dem Hessischen Verwaltungsgerichtshof der sichtbar tätowierte Spruch „Bitte bezwinge mich“ einer Polizeianwärterin zuviel. Das Oberverwaltungsgericht in Münster wiederum entschied, dass ein großer Löwenkopf auf dem Unterarm kein Grund ist, einen Bewerber vom Polizeidienst in Nordrhein-Westfalen auszuschließen. Beim Verwaltungsgericht Berlin hieß es, große sichtbare Tätowierungen seien gegenwärtig kein Hindernis bei der Bewerbung als Polizist.

Für die Grünen-Innenpolitikerin Pia Schellhammer, die Parlamentarische Geschäftsführerin ihrer Landtagsfraktion ist, bringt die Regelung in Rheinland-Pfalz das Signal: „Man kann ein Tattoo als Polizist oder Polizistin haben.“ Sie finde es positiv, dass es einen Ermessensspielraum für Fälle gebe, in denen eine Tätowierung nicht verdeckt werden kann. „Insgesamt ist es eine Lockerung und keine Verschärfung“, sagt Schellhammer, die selbst tätowiert ist. „Diese Regelung erkennt an, dass der erste Eindruck nicht zum Nachteil für den Einsatz führen darf, aber Tattoos und Piercings nicht Außergewöhnliches mehr sind.“

(dpa)