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Meinung
Bei den Liberalen gibt es so nur Verlierer

 Florian Schlecht
Florian Schlecht FOTO: SZ / Robby Lorenz
Der Streit zwischen der FDP-Fraktion und Helga Lerch bringt bei den Liberalen nur Verlierer hervor. Die politisch unbedarfte Helga Lerch, weil sie in ihrer Fehde mit Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) überzogen hat, als Lerch den Verdacht von vertuschten sexuellen Übergriffen in Schulen aufbrachte und völlig unterschätzte, welchen politischen Wirbelsturm sie damit entfacht. Von Florian Schlecht

Wenn selbst moderate Liberale sagen, ihr Geduldsfaden mit Lerch sei gerissen, weil die Abgeordnete in der Fraktion nur nach ihren Regeln spiele und gar persönlich gedroht habe, ist das Vertrauen zerstört.

Doch auch die Liberalen haben im Konflikt mit Lerch viel Öl ins Feuer gegossen. Ihr Umgang mit der Ex-Schulleiterin war oft unbeholfen und dilettantisch. Die Liberalen hyperventilierten bereits, als Lerch im Landtag eine bessere Lehrerversorgung an Schulen als Idealzustand bezeichnete und damit die SPD auf die Palme brachte. Statt Fingerspitzengefühl walten zu lassen, stellten die Liberalen Lerch parlamentarisch kalt.

Ein großer Verlierer ist daher auch FDP-Landeschef Volker Wissing, der streng die Hände über die Abläufe in der Fraktion hält. Lerch überhaupt erst zur bildungspolitischen Sprecherin zu machen und nun ein Jahr vor der Landtagswahl abzusägen reiht sich an die gefloppte Personalentscheidung, den überforderten und längst zurückgetretenen Thomas Roth zum Fraktionschef zu ernennen.



Noch schlimmer offenbart der Streit um Helga Lerch aber, wie es um das Demokratieverständnis der FDP in Rheinland-Pfalz bestellt ist: In der Ampelregierung haben sich die Liberalen zu einer angepassten Partei entwickelt, die der SPD gefallen will, Widerstand scheut, mit Ausnahme von Landwirtschaft eigene Positionen vernachlässigt und ihren liberalen Geist zusehends aufgibt. Schade.