| 23:19 Uhr

Barrierefreiheit soll Standard werden

 Auch Ministerpräsident Kurt Beck wusste 2009 das barrierefreie Fortbewegen im Rollstuhl bei der "Rolli-Rallye Marburg-Marseille" - wenngleich nur probeweise - zu schätzen. Fotos: dpa
Auch Ministerpräsident Kurt Beck wusste 2009 das barrierefreie Fortbewegen im Rollstuhl bei der "Rolli-Rallye Marburg-Marseille" - wenngleich nur probeweise - zu schätzen. Fotos: dpa
Mainz. Mobilität und Barrierefreiheit für Behinderte in allen Lebenslagen sollen nach dem Willen des Sozialministeriums in Rheinland-Pfalz künftig Standard werden. Dies erklärten Ministerin Malu Dreyer (SPD) und der Landesbeauftragte für die Belange behinderter Menschen, Ottmar Miles-Paul, gestern in Mainz Von dpa-Mitarbeiterin Kristina Klement

Mainz. Mobilität und Barrierefreiheit für Behinderte in allen Lebenslagen sollen nach dem Willen des Sozialministeriums in Rheinland-Pfalz künftig Standard werden. Dies erklärten Ministerin Malu Dreyer (SPD) und der Landesbeauftragte für die Belange behinderter Menschen, Ottmar Miles-Paul, gestern in Mainz. Anlass war die Vorstellung eines Landesaktionsplans für die Umsetzung der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen in Deutschland. Dem Aktionsplan zufolge sollen künftig die Rechte der rund 410 000 Menschen mit Behinderungen im Land gestärkt werden. Mit fast 200 konkreten Maßnahmen sollen Behinderte unterstützt und ins öffentliche Leben eingebunden werden. "Wir sprechen bewusst nicht mehr von Integration, sondern von Inklusion. Behinderte Menschen sollen künftig von Anfang an in die Gesellschaft eingebunden werden", sagte Dreyer. Zu diesem Zweck plane die Regierung etwa einen Ausbau der aktuell 172 Schwerpunktschulen im Land, wo behinderte und nicht-behinderte Kinder gemeinsam unterrichtet werden. Dies trage dazu bei, Akzeptanz auf- und Vorurteile abzubauen, betonte Miles-Paul. Auf dem Arbeitsmarkt sollen Integrationsfirmen und Werkstätten für Behinderte ausgebaut werden. Im Freizeit- und Kulturbereich sei bereits viel passiert, lobte der Landesbeauftragte und hob das Landesmuseum Mainz hervor, wo die "Maßnahmen weit über das hinausgehen, was man normalerweise unter Barrierefreiheit versteht". Im Bereich Wohnen und Bauen wünscht sich die Sozialministerin mehr Rücksichtnahme. Mit dem Projekt "Wohnen in Orts- und Stadtkernen" wolle man dem Ziel des selbstbestimmten, barrierefreien und integrierten Lebens und Wohnens näherkommen. Bei der Barrierefreiheit müsse jedoch auch der Bereich Kommunikation und Information bedacht werden. Daher sollten komplizierte Sachverhalte immer in einer bürgernahen, leichten Sprache vermittelt werden. Die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung wurde am 26. März 2009 erlassen und fordert das Recht auf Selbstbestimmung, Partizipation und umfassenden Diskriminierungsschutz für behinderte Menschen sowie eine barrierefreie Gesellschaft. Nach eigenen Angaben ist Rheinland-Pfalz das erste Bundesland, das einen Aktionsplan zur Umsetzung der Konvention vorlegt. Zehn Prozent der Bevölkerung im Rheinland-Pfalz lebten mit einer Behinderung, 46 Prozent davon seien Frauen, teilte das Mainzer Sozialministerium mit.