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Problem Kerosin-Ablass
Auch Militärjets lassen verstärkt Kerosin ab

 Ein Passagierjet zwischen zwei Kondensstreifen: Flugzeuge lassen aber auch Kerosin ab.
Ein Passagierjet zwischen zwei Kondensstreifen: Flugzeuge lassen aber auch Kerosin ab. FOTO: dpa / Frank Rumpenhorst
Ramstein/Berlin/Zweibrücken. Die Bundesregierung hat auf Anfrage der Grünen Zahlen vorgelegt: 2017 wurde über Deutschland mehr als zweieinhalb Mal so viel Kerosin abgelassen wie 2016 — fast nur über der Region. Von Eric Kolling

Im Vergleich zum Vorjahr ist die von Flugzeugen abgelassene Kerosinmenge 2017 gestiegen – gerade auch Militärjets vergossen ihren Sprit verstärkt in der Luft. Die Gesamtmenge in die Luft geleiteten Flugsprits betrug bei ihnen nun 89,5 anstatt zuvor 22,7 Tonnen. Bei Zivilmaschinen stieg der Wert von 468,9 auf 490 Tonnen. Das besagen Zahlen, die die Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Grünen-Bundestagsfraktion mit dem saarländischen Abgeordneten Markus Tressel jetzt vorgelegt hat.

Der Großteil des von Militärmaschinen abgelassenen Kerosins in den vergangenen beiden Jahren wurde über Rheinland-Pfalz abgelasse – die komplette Menge von 22,7 bekannten Tonnen 2016 und 89 der 89,5 bekannten Tonnen 2017, wobei bei einem zusätzlichen Ablass bei Düsseldorf die Menge unbekannt ist. Meistens war den Regierungsangaben zufolge die Gegend um Ramstein betroffen.

Da es bei dem von Privatmaschinen notabgelassenen Sprit kaum anders aussieht, ist Rheinland-Pfalz bei dem Problem nach 2016 auch 2017 insgesamt bundesweit am stärksten betroffen. Der Jahresdurchschnitt 2010 bis 2017 des von Privatfliegern abgelassenen Kerosins liegt indes mit 513,2 Tonnen noch ein gutes Stück über den 490 im vergangenen Jahr dokumentierten Tonnen 2017. Da die Ablassgründe weiterhin nicht dokumentiert würden, könne man schlecht an einer Lösung arbeiten, findet Tressel.



Die Grünen haben unter Bezugnahme auf die größtmögliche Dichte berechnet, dass im Schnitt pro Jahr über Deutschland 620 000 Liter Kerosin aus zivilen, gut 43 000 Liter aus militärischen Fliegern abgelassen werden. Da bisweilen (laut Bundesregierung in fast jedem sechsten Fall) die Mengen unbekannt seien, könne die Dunkelziffer aber eher in Richtung eine Million Liter gehen. Mindestens 53 000 Liter erreichten den Boden, der Rest belastete die Atmosphäre, so Berechnungen der Grünen. Tressel: „Die Bundesregierung muss endlich Verantwortung übernehmen. Gründe für den Treibstoffablass und die betroffenen Gebiete müssen zukünftig erfasst und Auswirkungen auf Mensch und Umwelt umfassend erforscht werden. Nach unserer letzten Kleinen Anfrage ist etwas Bewegung in die Sache gekommen und eine Studie wurde ausgeschrieben. Die kann aber nur der erste Schritt sein.“

In der Antwort auf eine Grünen-Anfrage vom Oktober 2016 hatte der Bund geschildert, welche gesundheitlichen Schäden ein Mensch durch mittel- oder unmittelbaren Kontakt mit Flugzeugtreibstoff erleiden kann. Demnach beträgt der sogenannte LD50-Wert, der die Hälfte von Versuchsratten tötet 800 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht. Sei es in mit Kerosin belasteten Innenräumen heiß oder diese schlecht belüftet, dann seien Benommenheit, Kopfschmerzen und Übelkeit mögliche Folgen. Auch Erbrechen sei möglich, ebenfalls ein toxisches Lungenödem. Kerosine und ihre Dämpfe riefen in Mund, Rachen und Magen-Darm-Bereich Schleimhaut-, dazu Haut- und Augenreizungen hervor. Auch schnelle Ermüdbarkeit, Ohrensausen, Verdauungsstörungen und Atemwegreizungen seien grundsätzlich denkbar. All diese Effekte seien aber durch abgelassenes Kerosin nicht zu erwarten, weil die erforderlichen Konzentrationen nicht erreicht würden.