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Spangdahlem
Angst vor mehr Lärm und Hoffnung auf mehr Leben

Spangdahlem. Im Umfeld der Airbase Spangdahlem reagieren Menschen mit ganz unterschiedlichen Gefühlen auf die Nachricht, dass der Stützpunkt vorerst nicht wächst. Manche glauben gar nicht mehr an einen Ausbau. Von Katharina De Mos

Auf der einen Seite ist da dieser ohrenbetäubende Lärm, der Tassen im Schrank zum zittern bringt, Kinder aus dem Schlaf schreckt und telefonieren unmöglich macht. Auf der anderen Seite sind da die vielen leerstehenden Wohnungen und Menschen, die ihre Häuser nur allzu gerne wieder vermieten würden.

Und so wird die Nachricht, dass sich der Ausbau der Airbase Spangdahlem verzögert, im Umfeld des Luftwaffenstützpunktes denn auch mit gemischten Gefühlen aufgenommen.

Norbert Schröder, Ortsbürgermeister von Beilingen, ist nicht traurig, dass die 20 zusätzlichen Flugzeuge und 2500 US-Militärs und Zivilisten nicht 2024 sondern erst 2028 aus dem englischen Mildenhall in die Eifel verlegt werden sollen. Da sein Dorf in der Einflugschneise liege und Amerikaner nicht gerne in ihren eigenen Lärm zögen, sei es mit den Vermietungen eh nicht so weit her.



Werner Pitsch, erster Beigeordneter aus Binsfeld, hingegen hätte wegen der vielen leerstehenden Wohnungen gehofft, dass das Ganze schneller geht. „Ich glaube schon fast nicht mehr an die Verlegung“, sagt er. Unter anderem, weil er davon ausgeht, dass sowohl der Lärmschutz als auch eine mögliche Nachtfluggenehmigung zu Problemen werden.

Für diese Theorie spricht, dass bereits jahrelang an einem Lärmgutachten gearbeitet wird. 2017 teilte das Amt für Bundesbau mit, erste Untersuchungen hätten gezeigt, dass der Lärmpegel steigen werde. Weitere Infos gab die Behörde nicht. Darüber hinaus soll eine Prognose zeigen, wie sich die Lärmbelastung in den kommenden zehn Jahren entwickelt. 

Die liegt zwei Jahre später aber noch immer nicht vor. „Wichtig ist für uns, ob der Lärm steigt und ob wir neue Lärmschutzzonen bekommen“, sagt Pitsch. Als die Lärmschutzzonen 2016 neu gezogen wurden, war der Aufschrei groß, weil Gemeinden wie Beilingen oder Binsfeld innerhalb dieser Zonen keine Baugebiete ausweisen oder Kitas betreiben dürfen.

Aus Planungsunterlagen, die unserer Zeitung 2017 zugespielt wurden, geht hervor, dass die zu verlegenden Flugzeuge in England pro Halbjahr 1050-mal starten und landen, hinzu kommen 240 Flüge mit Nachtsichtgeräten. Drei- bis viermal pro Woche übt die Staffel das Betanken von Flugzeugen am Boden und achtmal pro Woche wird geprüft, ob die Motoren gut laufen. Auch in Spangdahlem sind demnach Nachtflüge geplant.

Ein anderes Problem hat sich inzwischen hingegen gelöst. 2017 hatte die zuständige Wasserbehörde SGD Nord noch massive Bedenken dagegen, dass die neue Flugzeugrampe und die Gebäude für die zusätzliche Einheit nordöstlich der Landebahn gebaut werden. Handelt es sich doch um eine Fläche, die eigentlich zum Trinkwasserschutzgebiet erklärt werden sollte, weil sie im Einzugsgebiet von zwei neuen US-Trinkwasserbrunnen liegt.

Inzwischen sind laut Joachim Gerke von der SGD Nord allerdings Zweifel daran entstanden, ob diese Brunnen überhaupt lange betrieben werden können, da sie schnell versanden und weniger Wasser fördern als gedacht.

„Wir werden kein Schutzgebiet ausweisen, ehe wir nicht wissen, ob die Brunnen dauerhaft bleiben“, sagt Gerke. Schließlich wäre nicht nur die Airbase, sondern auch Bauern von dem Schutzgebiet betroffen. Aktuell reiche das geförderte Wasser aus, um den US-Stützpunkt zu versorgen. Wenn die neue Einheit kommt, werde es jedoch knapp. Die Wasserbehörde schlägt vor, dass sich das US-Militär dann den regionalen Wasserverbänden rechts und links des Zauns anschließt. Eine Idee, die aber bisher offenbar auf wenig Begeisterung trifft.

Dem Amt für Bundesbau zufolge spricht nach einem hydrogeologischen Gutachten, nach Schadstoffuntersuchungen und einer Bestandserfassung von Flora und Fauna bisher nichts gegen den Ausbau. Grund für die Verzögerung sei, dass das ganze teurer werde als geplant. Mehr Informationen sind aktuell nicht zu bekommen.

Für Dennis Junk, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Wittlich-Land ist es nicht so entscheidend, ob Spangdahlem früher oder später wächst. „Für mich ist entscheidend, dass der Standort nicht zur Debatte steht“, sagt er. Obwohl Donald Trump vor einigen Wochen drohte, Truppen aus Deutschland abzuziehen, spricht derzeit alles dafür, dass Spangdahlems Zukunft gesichert ist. Nicht nur, weil dort in den vergangenen Jahren viele Millionen Euro in Schulen, Fitnesscenter oder ein Einkaufszentrum investiert wurden. So wurde dem neuen Kommodore Dave Epperson von der US-Luftwaffe offiziell die Aufgabe übertragen, die Air Base Spangdahlem „weiter zu einem Eckpfeiler der Air Force auszubauen.“

Zum 52. Jagdgeschwader in Spangdahlem gehören mehr als 4000 Militärangehörige und gut 1000 Zivilbeschäftigte, darunter etwa 850 Deutsche. Es umfasst eine F 16 Kampfjet-Staffel mit rund zwei Dutzend Flugzeugen.