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Dürrehilfe von 25 Millionen Euro
Ein winziger Käfer stresst viele Waldbauern

Trügerische Idylle: der Hochwald bei Morbach in Rheinland-Pfalz. Die Trockenheit des vergangenen Sommers hat den Bäumen zugesetzt.
Trügerische Idylle: der Hochwald bei Morbach in Rheinland-Pfalz. Die Trockenheit des vergangenen Sommers hat den Bäumen zugesetzt. FOTO: dpa / Thomas Frey
Boppard. Kleiner Schädling, große Wirkung: Unscheinbare Borkenkäfer können Fichten in wenigen Wochen den Garaus machen. Darunter leiden in diesem Jahr viele Waldbesitzer. Schadholz überschwemmt den Holzmarkt. Dessen Preise rauschen nach unten. In Boppard erörtern Waldbauern die Folgen des Klimawandels. Von Jens Albes (dpa)

Angesichts der extremen Trockenheit in diesem Jahr hat Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) den Waldbesitzern eine Dürrehilfe von 25 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Diese sei im Haushaltsausschuss des Bundestags verteilt auf fünf Jahre bundesweit bewilligt worden, sagte die Berliner Ressortchefin laut Redemanuskript gestern bei einer Mitgliederversammlung des Waldbesitzerverbands für Rheinland-Pfalz in Boppard am Rhein.

Mit dem Geld sollten „Maßnahmen zur Prävention und Anpassung auf Extremwetterlagen“ im Wald gefördert werden. Laut Klöckner ist zudem das Bundesfinanzministerium wegen möglicher weiterer Erleichterungen bei der Einkommensteuer betroffener Waldbesitzer angefragt.

Die CDU-Bundesvize und rheinland-pfälzische Landesvorsitzende erinnerte an die Sturmschäden im vergangenen Winter, die starken diesjährigen Trocken- und Käferschäden sowie die Waldbrände. Viel Schadholz sei auf dem Markt. „Die Holzpreise sind stark gefallen.“ Viele Neuanpflanzungen hätten die Dürre nicht überlebt. Der Gesamtschaden für die deutsche Forstwirtschaft ist laut Klöckner auch vom künftigen Wetter abhängig und wohl erst 2019 genau zu beziffern.



Der gestern neu gewählte Vorsitzende des Waldbesitzerverbands für Rheinland-Pfalz, Christian Keimer, sprach laut Mitteilung mit Blick auf die neue Finanzhilfe von einem ersten Anfang: „Es gilt abzuwarten, wie sich die Folgen der katastrophalen Dürre im Jahr 2019 entwickeln, um zeitnah nachzubessern.“ Zugleich erinnerte Keimer daran, dass die 25-Millionen-Euro-Unterstützung des Bundes von den Ländern um insgesamt zwei Drittel aufgestockt werden soll. Zum Klimawandel sagte der Bürgermeister der Stadt und Verbandsgemeinde Kastellaun im Hunsrück: „Er kommt schneller und heftiger, als wir das erwartet haben. Dürresommer, Starkregenereignisse und Orkane sind nur die Vorboten.“ Wegen der geradezu explosionsartigen Vermehrung der Borkenkäfer in der Hitze im vergangenen Sommer sei in Rheinland-Pfalz schon eine halbe Million Festmeter befallenes Holz eingeschlagen worden, um eine weitere Verbreitung zu verhindern. Borkenkäfer bohren für die Eiablage Gänge in Rinde und Holz – vor allem bei Fichten.

Der Geschäftsführer des Waldbesitzerverbands für Rheinland-Pfalz, Wolfgang Schuh, hatte zuvor gewarnt, bei einem neuen trockenen und warmen Frühling gebe es die Gefahr, „dass es nächstes Jahr noch schlimmer wird“. Befürchtet werde beispielsweise eine hohe Ausgangspopulation der Borkenkäfer.

Die rheinland-pfälzische Forstministerin Ulrike Höfken (Grüne) hatte im September von einem niedrigen zweistelligen Millionenschaden in den Wäldern des Landes in Folge der diesjährigen Dürre gesprochen.