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Zwei, die zu einer Einheit fanden

Saarbrücken. Sie haben viel gemeinsam und könnten doch unterschiedlicher nicht sein: Die Künstler Stohead und Heiko Zahlmann sind in der Galerie Zimmerling zu sehen, in der Schau „Karambolage Zwo“. Bülent Gündüz

Karambolage bedeutet nicht nur ein heftiges Aufeinanderprallen - im Billard steht es auch für ein Aufeinandertreffen von zwei Kugeln, die sich dann gezielt weiterbewegen. Ein passender Name also für eine Ausstellung der beiden Urban-Art-Künstler Stohead und Heiko Zahlmann. Beide sind Jahrgang 1973, beide begannen Ende der 1980er Jahre mit dem Graffiti und beide gehörten der Hamburger Ateliergemeinschaft "getting-up" an, bis Stohead 2006 nach Berlin ging. Ihre Wurzeln liegen im Tag-Writing, dem Sprühen des eigenen Namenszugs, und beide haben das klassische Graffiti längst hinter sich gelassen.

Noch immer nutzt Zahlmann die Spraydose, doch seine 3D-Tags wachsen inzwischen als konzeptuelle Gebilde in den Raum. Richtig gut sind sie immer dann, wenn sie groß werden, die kleineren Arbeiten sind nicht ganz so stark wie die Rauminstallationen, die Zahlmann in aller Welt hinterlässt. Trotzdem überzeugen die Werke, etwa das fünfteilige "Blast from the Past". Auf der Betonoberfläche ist die Maserung von Holz sichtbar. Ein Graffiti erstreckt sich über alle fünf Paneele. Der Clou liegt in dem Holzabdruck, der dem Beton die Schwere nimmt ohne zu verleugnen, dass die Wurzeln des Graffiti im Sprayen auf Beton und Stein begründet sind. Kalte, geometrische Strukturen mit äußerster Präzision ins Material gefräst, bestimmen Zahlmanns Arbeiten.

Anders Stohead. Er dekonstruierte in den letzten Jahren seine Writings zu Sprühnebeln, die sich als Aquarelle in Rauch auflösen oder ins Wasser zu tauchen scheinen. Das Beste beider Künstler ist in zwei ausgestellten Arbeiten vereint. Die stärkere der beiden ist "Clash I". Malgrund ist eine MDF-Platte, ein Holzmaterial, dass Zahlmann gerne nutzt. Von links nach rechts blendet ein geometrisches Muster, wie es Zahlmann in seine Betontafeln fräst, langsam in ein schwarzes Nichts aus. Gleichzeitig fängt ein gelber Farbrauch Stoheads zu glühen an, kriecht durch das Bild und kumuliert schließlich zu einer Wolke.



Der Titel "Karambolage Zwo" spielt darauf an, dass die beiden Künstler in diesem Jahr bereits eine gemeinsame Ausstellung bespielt haben. Angesichts der gemeinsamen Arbeiten wäre "Melange der Zwo" vielleicht besser gewesen, denn die beiden sind zu einer Einheit verschmolzen.

Bis 29. Oktober. Dienstag, Donnerstag, Freitag 15 bis 19 Uhr, Mittwoch 10 bis 12, 15 bis 20 Uhr, Samstag 11 bis 15 Uhr.

Stoheads „The great escape“. Fotos: Galerie
Stoheads „The great escape“. Fotos: Galerie