| 23:30 Uhr

Konzert der Fantastischen 4
„Wir sind zusammen Kroos“

Die Fantastischen Vier traten am Samstag in St. Wendel auf.
Die Fantastischen Vier traten am Samstag in St. Wendel auf. FOTO: pm / Eric Kolling
St. Wendel. Jogis Jungs haben mit ihrem Sieg in letzter Minute den Fantastischen Vier in St. Wendel den Weg für ein unvergessliches Konzert geebnet. Von Eric Kolling

Wenn Künstler ihre Vorgruppen für Konzerte auswählen, wissen sie in der Regel genau, was diese drauf haben. Sind sicher, dass sie ihnen stimmungsmäßig den Weg ebnen. Insofern sind die Fantastischen Vier am Samstag beim Open-Air in St. Wendel ein großes Risiko eingegangen – denn da war quasi die Fußball-Nationalmannschaft „Vorband“. Das Konzert startete erst 45 Minuten später als ursprünglich geplant – nach dem live übertragenen WM-Spiel gegen Schweden (davor war der stimmungsvolle DJ Thomilla auf der Bühne). Und hätten Jogis Jungs das Match vergeigt und die Segel beim Turnier gestrichen – da wäre es schwer gefallen, beim folgenden Zwei-Stunden-Konzert im örtlichen Bosenbachstadion unbeschwert mitzugehen. Und danach sah es ja lange aus.

Doch dann kam Toni Kroos mit seinem Traumtor in der 95. Minute und sorgte für den Adrenalinkick, den eine musikalische Vorband nicht hätte geben können. Das Risiko zahlte sich für die Fantas und Konzertveranstalter 4plus1 also im Höchstmaß aus. Der 2:1-Sieg war der Auftakt für ein unvergessliches Konzerthighlight in der Region, an das sich sicher gerade Fußballfans noch lange erinnern werden.

„Alter Schwede“, stammelte Michi Beck nach den ersten drei Songs „Tunnel“, „Heute“ und „Danke“ in einem Moment des Luftholens. Das entscheidende Tor lag da keine zehn Minuten zurück. Und damit quasi des Ende der „Mütter aller Public Viewings“, wie er das Schauen mit den Fans (allerdings nur am Ende auf der Bühne) titulierte. Die vier schafften es in der Folge (auch, indem sie immer wieder Torschütze „Kroos“ oder „2:1“ in die Lieder einstreuen), auf der Welle des Glücksgefühls zu reiten: Den offiziellen DFB-WM-Song „Zusammen“ übertrug die ARD live in der Spiel-Nachberichterstattung. Auch ohne Clueso, dessen Parts nur als Aufnahme über die Bildschirme flimmerte, ein weiterer unvergesslicher Moment. Dem Siegtorschützen gewidmet, quasi ein „Wir sind zusammen Kroos“.



Die angekündigte Nachtkälte war nun endgültig verflogen, als der Mond strahlend über dem Stadion stand, in dem mutmaßlich rund 15000 (vor Beginn gab es noch Karten an der Abendkasse) Zuschauer euphorisiert sprangen, klatschten, tobten. Und vorne auf der Bühne Smudo, Thomas D, And.Ypsilon und Michi Beck von „Der Picknicker“, über „25“, „Ichisichisichisich“, schließlich „Sie ist weg“, „MfG“, und „Populär“ alle ihre Hits auffuhren. Und dabei jederzeit ungekünstelt diese Energie, Leidenschaft und Freude ausstrahlten. Nicht zuletzt, wenn Thomas D. traditionell mit nacktem Oberkörper tänzelnd den „Krieger“ gab, Smudo bei „Pipis und Popos“ Helium einatmete, um ganz hell zu singen. Oder er bei „Smudo in Zukunft“ rasend schnell rappte. Zähere Passagen, wie es sie selbst bei besten Shows immer mal wieder gibt, fielen hier selbst für Nichtfans extrem kurz aus.

„Ich bin immer noch geflasht. Wie geil kann so ein Abend laufen? Es ist einer der schönsten Abende meines Lebens“, kommentiert Michi Beck kurz vor dem Zugabenblock. Was ja meist eine hohle Musikerphrase ist, die auch bei einem lahmen Auftritt vor 100 Leuten gedroschen würde, hätte an diesem Abend kaum überzeugender wirken können.

Stoff vom neuen Album „Captain Fantastic“ (das den regulären Teil beschließt) brachten die Fantas eher gering dosiert zu Gehör: Nach „Endzeitstimmung“ hätte sich der Abend allerdings nur bei einem 1:1 angefühlt. „Hitisn“ lief noch als Zugabe, ehe ihr „erster Nummer zwei“-Titel „Die da?!“ und das traditionelle „Troy“ den Abend beschlossen – nebst einem Michi-Beck-Dankeschön fürs Treuehalten über die 29 Jahre Bandbestehen.

Bei der WM fällt nur noch das Spiel um Platz drei am 13. Juli mit einem Fanta-Auftritt (in Locarno) zusammen. Jogis Jungs als Vorband dürften also eine einmalige Wahl bleiben. Eine Glückswahl. Einmal könnte sich der Spieß noch umdrehen – und „die Mannschaft“ die Fantas mit „Zusammen“ bei sich auftreten lassen. Bei der WM-Siegesfeier am Brandenburger Tor. „Da sehen wir uns – oder auf Tour“ zeigte sich Smudo beim Abgang von der Bühne jedenfalls zuversichtlich. Und voller Adrenalin.

Auf ihrer Captain-Fantastic-Tour spielen die Fantas am 18. Januar 2019 in der Luxemburger Rockhal.