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Großes fängt im Kleinen an: Beispiel Blaibach
Wie ein Dorf in Bayern Furore macht

Das 200 Besucher fassende Konzerthaus in der 2000-Seelen-Gemeinde Blaibach im Bayerischen Wald wirkt wie ein vom Himmel gefallener Quader aus Granit und Beton, in der Dorfmitte in den Boden gerammt.
Das 200 Besucher fassende Konzerthaus in der 2000-Seelen-Gemeinde Blaibach im Bayerischen Wald wirkt wie ein vom Himmel gefallener Quader aus Granit und Beton, in der Dorfmitte in den Boden gerammt. FOTO: dpa / Armin Weigel
Blaibach. Der Ort Blaibach im Bayerischen Wald hat gerade mal 2000 Einwohner, aber ein topmodernes Konzerthaus.

(dpa) Blaibach im Bayerischen Wald kennt genau die Sorgen, die viele andere Dörfer auch haben. Junge Leute ziehen weg, Touristen bleiben aus, Freibad und Schule machen dicht, Geschäfte stehen leer. Dann entwickeln ein Architekt, ein Musiker und einige Lokalpolitiker eine verrückte Idee: Blaibach braucht ein Konzerthaus, und zwar von internationalem Rang. Der Widerstand im Ort ist zunächst groß, doch dann geht der Plan auf. Das Konzerthaus entwickelt sich zum Besuchermagneten und das Dorf lebt wieder.

Das Konzerthaus gleicht einem vom Himmel gefallenen Quader aus Granit und Beton, mitten im Dorf in den Boden gerammt. Futuristisch, avantgardistisch, mutig. Ausgezeichnet mit einigen Kultur- und Architekturpreisen. Aus ganz Deutschland pilgern Kommunalpolitiker herbei, weil sie auch gerne so ein Konzerthaus hätten. Vom „Wunder von Blaibach“ ist die Rede. Bürgermeister Wolfgang Eckl ist stolz, dass seine Gemeinde dieses Projekt gewagt hat. „Es war knapp damals.“ Viele Blaibacher hätten es nicht gewollt. Aber, so sagt Eckl heute: „Es hat unser ganzes Dorf gestärkt.“ Tourismus, Gastronomie, Unternehmen – alle profitierten.

Vor 20 Jahren habe Blaibach noch 85 000 Übernachtungen im Jahr gehabt, berichtet Eckl. „Da kamen Touristen scharenweise mit Bussen aus dem Ruhrpott.“ Dann blieben die Busse weg. Seit 2014 kommen sie wieder. Aus dem ganzen Land reisen Kulturliebhaber in die Oberpfalz, um die vielgerühmte Akustik des Konzerthauses zu erleben. 2019 widmet ihm die Post eine Briefmarke.



 Intendant ist der Bariton und Kulturschaffende Thomas Bauer. Gemeinsam mit dem Architekten Peter Haimerl hat er das irrwitzig anmutende Projekt angestoßen und umgesetzt. Auf „Kultur im Stadel“ habe er keine Lust gehabt, sagt Bauer. Das gebe es schon überall. Lieber ein Konzerthaus, das wirkt wie ein Ufo – und seit Jahren ausverkauft ist. Drei Millionen Euro kostete der Bau, die Intendanz macht Bauer unentgeltlich. Für das Programm lässt er seine Kontakte in die Musikszene spielen. Etwa 60 Konzerte im Jahr gibt es.

Gut, bei Hotels und Pensionen gebe es durchaus Aufholbedarf, sagt der Intendant. Aber bislang hätten sowohl Künstler als auch Besucher in der Region immer eine Unterkunft gefunden. Gastronom Rüdiger Doerk, der in Blaibach eine Pizzeria betreibt, sieht das auch so. Viele Pensionen seien noch auf dem Stand der 80er Jahre und nicht gerade für Klassikpublikum geeignet. „Mit Etagenduschen und sowas – aber die Künstler finden das schon wieder lustig.“ Von Anfang an habe er das Projekt unterstützt, sagt Doerk. Er findet die Idee „geil“, mitten im Niemandsland solch ein Konzerthaus zu bauen. „Das Konzerthaus hat für die Region unheimlich viel gebracht.“