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| 22:54 Uhr

Hörbuch-Rezension
Wenn Raumschiffe auf dem Trockenen sitzen

FOTO: Argon Verlag
Zweibrücken. In John Scalzis Weltraumoper „Kollaps“ lösen sich die kosmischen Verbindungsstraßen, „Ströme“ genannt, auf. Für Handelsgilden und die herrschende Imperatox ist das ein ziemlicher Schlag ins Kontor. Ein kurzweiliger, aber mit Schwächen behafteter Serienstart. Von Eric Kolling

Raumschiffe heißen üblicherweise „Nostromo“, „Enterprise“ oder „Galactica“ – kurz, einprägsam, spacig. John Scalzi hält davon nichts. In seinem Werk „Kollaps“ benennt er die intergalaktischen Kreuzer nach Liedern, etwa „Yes, Sir, That‘s My Baby“, „If you wanna dance dance“. Mit dergestalt benamten Raumschiffen geht es zum Auftakt seiner neuen Reihe „Das Imperium der Ströme“ auf eben diesen, also extra-dimensionalen Sternenstraßen, von Planet zu Planet zu Raumstation. Die Ströme bilden die Grundlage des menschlichen Sternenreichs, an dessen Spitze ein oder eine Imperatox steht. Und dann sind da noch die Handelsgilden, die ihre Intrigen spinnen, auf Profitmaximierung aus sind.

An dieser Ausgangslage sieht man schnell: Scalzis Werk könnte mit wenigen Detailänderungen auch im Mittelalter spielen. Science-Fiction-Elemente sind in seiner Space-Opera eher beigemischt, manchmal aber durchaus kreativ. So etwa die Idee, wie die Imperatoxe ihr Wissen weitergeben: Sie sind derart verkabelt, dass aus ihren Erinnerungen und Empfindungen digitale Quasi-Reinkarnationen und lebendige Bibliotheken für die Nachfolger kreiert werden können.

Die Geschichte kreist im Wesentlichen (wie der Titel schon vorwegnimmt) darum, dass die Ströme, deren Wirkweise die Menschen nie richtig verstanden haben, zu versiegen beginnen. Das würde das Machtgefüge im Universum ändern, weil Planeten mit Rohstoffen nicht mehr oder erst nach ewiger Fliegerei erreichbar wären. In der Hörbuchfassung hat man bisweilen den deutlichen Eindruck, dass die Buchvorlage eingedampft wurde. Die Handlung wirkt manchmal oberflächlich und sprung- und skizzenhaft.

Doch sie unterhält gut, weil sich der Kalifornier Scalzi immer an einem interessanten Figuren-Dreigestirn orientiert. Da wäre zum einen die junge Cardenia Wu-Patrick, die nach dem Tod ihres Vaters überraschend zur neuen Imperatox aufsteigt und in ihre Rolle wachsen muss. Dann Marce Claremont, der Sohn eines Wissenschaftlers, der das Ende der Ströme vorhergesagt hat. Seine Mission ist es, durch die halbe Galaxis zu reisen, um diese brisante Nachricht der Imperatox zu überbringen. Und dann ist da Kiva Lagos, die Scalzi selbst als einer seiner besten Figuren überhaupt bezeichnet. Sie ist die ehrgeizige Erbin eines Handelshauses – vulgär, direkt und ihren häufigen Sex auch als Verhörmethode einsetzend.

Mag die Wortwahl mancher Figur auch auf Dauer zu obszön ausfallen, so manche Randfigur ziemlich blass bleiben und das Werk weitgehend bekannte Ideen neu arrangieren – unterhaltsam ist es doch ausgefallen, was Scalzi, Präsident der „Science Fiction and Fantasy Writers of America“ und Berater an der schnell eingestellten Weltraum-TV-Serie „Stargate Universe“, da geschaffen hat. Zudem verleiht Johannes Stecks (der Stammvorleser von Markus Heitz‘ „Zwerge“-Romanen) ausdrucksstarke, tiefe Stimme mit dem rauen Timbre dem Werk viel Atmosphäre.

John Scalzi: Kollaps (Das Imperium der Ströme), Argon Hörbuch, Autorisierte Lesefassung, 461 Minute, 6 CDs, ISBN: 978-3-8398-1572-4