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„Weißer weißer Tag“ im Saarbrücker Filmhaus
Der alte Mann und das Weniger

 Ingvar E. Sigurðsson als Großvater Ingimundur, Ída Mekkín Hlynsdóttir als Enkelin Salka.
Ingvar E. Sigurðsson als Großvater Ingimundur, Ída Mekkín Hlynsdóttir als Enkelin Salka. FOTO: Arsenal Verleih
Saarbrücken. Das Saarbrücker Filmhaus zeigt das atmosphärische Psychogramm „Weißer weißer Tag“ aus Island. Von Esther Buss

Das Psychogramm eines trauernden Mannes: Der isländische Filmemacher und bildende Künstler Hlynur Palmason erzählt in „Weißer weißer Tag“ vom etwa 60-jährigen Ingimundur, einem vorübergehend vom Dienst freigestellten Polizisten. Eine schroffe Einsamkeit umgibt ihn, weich und hell werden seine kantigen Gesichtszüge allein in Anwesenheit seiner kleinen Enkeltochter Salka. Nachdem Ingimundur seine Frau bei einem Autounfall verloren hat, macht er sich daran, sein Haus umzubauen. Salka ist oft zu Besuch, die beiden haben ein inniges Verhältnis.

Als Ingimundur eine Kiste mit Dingen seiner Frau findet, keimt in ihm der Verdacht, sie habe eine Affäre gehabt. Er wird zum Beobachter, sammelt vermeintliche Beweise und beginnt, sich immer mehr in seinen Wahn hineinzusteigern. Zu spüren bekommt das nicht nur der von ihm verdächtigte Mann, sondern auch Enkeltochter Salka. Ingimundur steht an einer gefährlichen Kippe, er könnte jeden Moment zum Gewalttäter werden. Die unheimlich-sägenden Streicherklänge des britischen Komponisten Edmund Finnis sind musikalischer Ausdruck seiner überreizten Nerven. „Weißer weißer Tag“ tritt immer auch wieder aus der verkapselten Psyche dieses Mannes heraus, um ihn selbst ins Visier zu nehmen. Aus der Distanz richtet die Kamera den Blick auf das Haus, dessen großes Fenster die Sicht auf Ingimundur frei macht.

Die irritierendste Einstellung des Films ist eine Wand aus Videomonitoren, die Ansichten von Straßen zeigen – Straßen, zu denen auch der Unfallort gehört und solche, auf denen man Ingimundur vorbeifahren sieht. Sie sind einerseits klassische Suspense-Momente, doch mehr scheint es Regisseur Palmason darum zu gehen, Dinge und Landschaften „sprechen“ zu lassen. Vor allem die immer wieder im Nebel verschwindende isländische Landschaft, die sich dank des 35-Millimeter-Materials so imposant wie lebendig zeigt, wirkt geradezu beseelt. Auch wenn manche Idee etwas forciert gerät, vermag der Film der Geschichte einer Trauerarbeit buchstäblich andere Perspektiven abzugewinnen.



Ab Donnerstag im Saarbrücker Filmhaus. Kritiken zu den anderen Neustarts morgen in unserer Beilage treff.region.