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Wedel: Ausgrenzung wesentliches Thema bei Nibelungen-Festspielen

 Die Schauspielerinnen Henrike von Kuick, Marie Zielcke, Intendant Dieter Wedel und Josefine Preuß (von links) präsentierten gestern in Worms eine Neufassung des Stücks "Die Geschichte des Joseph Süß Oppenheimer, genannt Jud Süß", das ab 3. August während der elften Nibelungen-Festspiele aufgeführt wird. Foto: Uwe Anspach/dpa
Die Schauspielerinnen Henrike von Kuick, Marie Zielcke, Intendant Dieter Wedel und Josefine Preuß (von links) präsentierten gestern in Worms eine Neufassung des Stücks "Die Geschichte des Joseph Süß Oppenheimer, genannt Jud Süß", das ab 3. August während der elften Nibelungen-Festspiele aufgeführt wird. Foto: Uwe Anspach/dpa
Worms. Horrende Staatsverschuldung und Antisemitismus-Diskussion: Bei den Wormser Nibelungen-Festspielen wird es auch dieses Jahr hochpolitisch zugehen. Unter dem Titel "Das Vermögen des Herrn Süß" will Intendant Dieter Wedel im August eine Neufassung des Vorjahresstücks präsentieren

Worms. Horrende Staatsverschuldung und Antisemitismus-Diskussion: Bei den Wormser Nibelungen-Festspielen wird es auch dieses Jahr hochpolitisch zugehen. Unter dem Titel "Das Vermögen des Herrn Süß" will Intendant Dieter Wedel im August eine Neufassung des Vorjahresstücks präsentieren. Damit greift er erneut auf den historisch belasteten "Jud Süß"-Stoff zurück, der schon im vergangenen Jahr auf der Bühne am Kaiserdom aufgeführt wurde. Das Stück wurde verschärft, so, wie sich auch die Diskussion in der Gesellschaft verschärft habe, sagte Wedel gestern im dpa-Interview.Das zeige die Zwickauer Terrorzelle, aber auch die teilweise überzogene Diskussion über das Israel-Gedicht von Günter Grass. "Solche gesellschaftlichen Vorgänge muss das Theater reflektieren", sagte Wedel. Rassismus und Ausgrenzung seien ein wesentliches Thema in der Neufassung, die in den 1930er Jahren spiele. Er sehe Parallelen zu dieser Zeit: "Auch heute gibt es den Tanz am Rande des Abgrunds und ein ausgeprägtes Bedürfnis des Publikums, die heraufziehenden dunklen Wolken am Horizont nicht zu sehen, sondern sich nur zu zerstreuen und zu amüsieren."

Die Nibelungen-Festspiele beginnen am 3. August. Im Ensemble dabei sein werden unter anderem die Schauspielerinnen Josefine Preuß, Marie Zielcke und Henrike von Kuick. Oppenheimer wird vom Dresdner Theaterschauspieler Tom Quaas gespielt. Kommendes Jahr plant Wedel eine Nibelungen-Neuinszenierung, wie er ankündigte. dpa