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Serie Film der Woche
Urlaub für Dracula

Dracula mit seiner Angebeteten, der Schiffsführerin Erika.
Dracula mit seiner Angebeteten, der Schiffsführerin Erika. FOTO: Sony Pictures
Berlin. Auch ein Vampir braucht mal Ferien. Oder? Jedenfalls geht es Dracula so, Star der Animations-Filmreihe „Hotel Transsilvanien“. Also geht er mit Familie und Freunden auf große Reise. Doch seine Urlaubsliebe könnte ihm und der gesamten Monsterschar zum Verhängnis werden.

Wenn ein Film funktioniert, gibt es oft eine Fortsetzung - ein altbewährtes Kino-Prinzip. Doch nicht immer sind solche Sequels sehenswert; gerne werden darin die Gags des Originals aufgewärmt, wird die Ursprungsidee totgeritten. Ob das beim dritten Teil des Animationsfilms „Hotel Transsilvanien“ auch so ist?

Die Gefahr besteht: Die originellen Figuren - menschenliebende Vampire, vom Nachwuchs gestresste Werwolf-Eltern - sind durch die beiden Vorgängerfilme sattsam bekannt. Viele Witze sind bereits gerissen, sei es auf Kosten der schlecht bandagierten Mumie oder der Unsichtbarkeit des Unsichtbaren. „Hotel Transsilvanien 3 - Ein Monster-Urlaub“ könnte also leicht ein lauer Abklatsch sein.

Regisseur Genndy Tartakovsky hat sich für sein drittes Monster-Abenteuer, das ausnahmsweise an einem Montag (16. Juli) in den Kinos startet, durchaus Neues einfallen lassen. Dafür schickt er die gesamte Monsterschar auf eine Kreuzfahrt zur sagenumwobenen versunkenen Insel Atlantis. Vor allem Graf Dracula (gesprochen von Rick Kavanian), der eifrige Hotelbesitzer und fürsorgliche Familienpatriarch, hat diesen Urlaub bitter nötig, denn die Einsamkeit nagt an ihm. Hals über Kopf verliebt er sich auch gleich in die bezaubernde Kreuzfahrtkapitänin Ericka (Anke Engelke). Doch die hütet ein dunkles Geheimnis, das die gesamte Monsterschar ins Verderben stürzen könnte.



Für Spannung ist gesorgt, aber auch für zahlreiche nette Gags: Frankensteins Monster, kurz Frank, verliert zwar nicht seinen Kopf, dafür aber andere Körperteile beim Poker; die Werwolf-Eltern entdecken für ihr Nachwuchsrudel den „Kids Club“ und genießen fortan den Urlaub beim Bälle-Hol-Spiel; Atlantis taucht als Vergnügungsinsel im Stile „Ibiza meets Atlantic City“ aus den Fluten auf.

Bei den Figuren setzen die Animationsstudios von Sony zwar größtenteils auf die altbekannten Charaktere, dennoch gibt es auch hier hübsche Überraschungen. So taucht erstmals der legendäre Vampirjäger Professor van Helsing als ulkig-böse Verkörperung des menschlichen Monsterhasses auf. Herrlich stoische Fische auf zwei Füßen stellen die Schiffs-Crew. Für erwachsene Zuschauer gibt es ein Wiedersehen mit den Gremlins. Und manchmal ist ein Volleyball eben mehr als nur ein Volleyball.

Am Ende entscheidet sich das Los der liebenswerten Monstergemeinschaft in einem DJ-Battle: Böser Weltuntergangs-Techno gegen Feel-Good-Pop vergangener Jahrzehnte. Die Botschaft in der konfliktreichen Gegenwart ist klar – egomanische Selbstsucht zerstört, Zusammenhalt und Lebensfreude gewinnen. Das Ganze wird am Ende zwar recht dick aufgetragen und wirkt auch reichlich banal, aber dafür ist es eben auch ein Kinderfilm. Und so klingt angesichts von Internet-Hetze, Intoleranz und zunehmender nationaler Abschottung in der Realität außerhalb des Kinosaals die Moral des Films durchaus nach: Ob Mensch oder Monster, ob Haut oder Fell: Wir sind doch alle nur Kreaturen dieser Welt.

(dpa)