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Kinofilm der Woche
Und Cher gibt die saucoole Großmutter

Musikalisch hat sich Regisseur Parker tief in den ABBA-Fundus eingegraben.
Musikalisch hat sich Regisseur Parker tief in den ABBA-Fundus eingegraben. FOTO: Verleiher / Diverse
Zweibrücken. Die Musicalverfilmung „Mamma Mia! Here we go again“ von Ol Parker kommt an das Original nicht ganz heran.

Im Sommer 2008 sang und tanzte sich Phyllida Lloyds Musicalverfilmung „Mamma Mia!“ in die Herzen des Publikums und verfügt auch heute noch über eine treue Fangemeinde, die das ABBA-Musical im Heimkino abfeiert.

Nun legt Regisseur Ol Parker ein Sequel vor und die erste, große Frage lautet natürlich: Ist Meryl Streep wieder dabei? Das muss mit einem klaren Jein beantwortet werden, denn während der ersten hundert Filmminuten ist Streep handlungsbedingt nur als Foto an der Wand zu sehen. Ihre Donna ist tot und Tochter Sophie (Amanda Seyfried) hat nun das Hotel auf der sonnigen griechischen Insel übernommen. Die Wiedereröffnung steht kurz bevor und in den Herzen aller Beteiligten wütet die Trauer um den tragischen Verlust.

Die Melancholie der Erinnerungen bildet die nicht immer tragfähige Brücke ins Rückblendengeschehen, wo die junge Donna (Lily James) in Paris auf den süßen Landsmann Harry (Hugh Skinner) trifft, der sie mit linkischem Charme um seine Entjungferung bittet, und später auf jener griechischen Insel den adretten Segler Bill (Josh Dylan) sowie den Aussteiger Sam (Jeremy Irvine) kennen und lieben lernt.



Es ist eine große Freude, die drei Verehrer, die man im ersten Teil in einem eher gesetzteren Alter vorgeführt bekommen hat, nun als jugendliche Retroversion zu sehen. Die Schwierigkeiten liegen eher auf der gegenwärtigen Erzählebene, in der die Hinterbliebenen ein wenig zu ausführlich um die gute Donna trauern. Die anstrengende Redundanz posthumer Zuneigungsbekundungen trübt nicht nur die Wiedersehensfreude mit den geliebten Figuren, sondern verstärkt auch im Publikum die Phantomschmerzen, die durch die Abwesenheit von Streep freigesetzt werden.

Da muss am Ende schon Cher als saucoole Großmutter mit dem Hubschrauber eingeflogen werden, um ein wenig Partystimmung aufkommen zu lassen. Musikalisch hat sich Parker tief in den ABBA-Fundus eingegraben und mixt erfolgreich weniger bekannte, melancholische Songs wie „I‘ve Been Waiting For You“ mit Gassenhauern a la „Waterloo“. „Mamma Mia: Here We Go Again“ wird die Fanherzen sicherlich gründlich erfreuen, aber an den entspannt feministischen Geist und die lustvoll aufgedrehte Stimmung des Originals kommt das Nachfolgewerk nicht so recht heran.

Mamma Mia!, USA 2018, Regie und Buch: Ol Parker; Kamera: Robert D. Yeoman; Musik: Benny Andersson, Björn Ulvaeus, Anne Dudley; Darsteller:Amanda Seyfried, Cher, Meryl Streep, Lily James, Andy Garcia, Dominic Cooper.