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Umstrittenes Kunstprojekt
Französische Zeitreise in Stalin-Ära

Paris. Gescheitertes Berliner Kunstprojekt „Dau“ hat nun seine Weltpremiere in Paris.

(dpa) Das in Berlin umstrittene und dort zuletzt dann gescheiterte Kunstprojekt „Dau“ erlebt nun kommende Woche seine Weltpremiere in Paris. Das Event startet am 24. Januar. Dabei handelt es sich um eine Großinstallation des russischen Regisseurs Ilja Chrschanowski, die den Besucher anhand von 13 seiner Filme und durch aufwendige Inszenierungen in eine Zeitreise durch die Stalin-Ära schickt, wie die Veranstalter mitteilten. „Dau“ hätte ursprünglich in Berlin im Oktober seine Weltpremiere mit einem Nachbau der Mauer haben sollen. Dann aber hatte der Berliner Senat Chrschanowskis Projekt nicht genehmigt, da „elementare Standards“ nicht gewährleistet gewesen seien.

Orte für das Event in Paris sind nun die städtischen Theaterhäuser Théâtre du Châtelet und Théâtre de la Ville. Beide liegen sich am zentralen Platz Châtelet gegenüber und werden gegenwärtig renoviert. Im Centre Pompidou wird die Rekonstruktion eines Appartements zur Sowjet-Zeit zu sehen sein, in dem Menschen wie bei einer Reality-Schau rund um die Uhr beobachtet werden können.

In Berlin war für „Dau“ der Nachbau einer rund 800 Meter langen Mauer vorgesehen, hinter der ein diktatorisches System nacherlebt werden sollte. Das Kunstevent sei an den nötigen Genehmigungen gescheitert, hieß es von offizieller Seite. Im Vorfeld hatte es allerdings darüberhinaus auch viel inhaltliche Kritik an dem Projekt gegeben. Menschen, die in wenigen Jahrzehnten zwei Diktaturen durchlebt hätten, bräuchten keine Belehrung darüber, was Diktatur bedeute, hatten Gegner argumentiert. In Paris ist „Dau“ bis zum 17. Februar zu erleben.