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Thomas Mann oder: Die Memoiren des Herrn Konrad Katzenellenbogen

Seine Mutter verlangte von ihm als Kind, er solle klüger als ihr Vetter Albert Einstein werden - aber bescheidener. Bis zum Privatsekretär Thomas Manns immerhin brachte es der 1913 in Berlin geborene Konrad Katzenellenbogen, der sich nach der Emigration in die USA 1935 Konrad Kellen nannte

Seine Mutter verlangte von ihm als Kind, er solle klüger als ihr Vetter Albert Einstein werden - aber bescheidener. Bis zum Privatsekretär Thomas Manns immerhin brachte es der 1913 in Berlin geborene Konrad Katzenellenbogen, der sich nach der Emigration in die USA 1935 Konrad Kellen nannte. Der Literaturnobelpreisträger diktierte ihm Briefe und ließ ihn seinen "Joseph"-Roman auf der Schreibmaschine abtippen. Während des Exils in Pacific Palisades ist Kellen 1941 bis 1943 sein Sekretär. Lange plante er die Niederschriften zu veröffentlichen. Am Ende wurde es ein "Wettlauf gegen die Zeit", schreibt im Nachwort Christian Ter-Nedden, der die Aufzeichnungen mit Manfred Flügge herausgegeben hat. Ließ Kellens Erinnerungsvermögen doch nach. Das Erscheinen des Buches erlebte er nicht mehr. Er starb 2007.Wer Enthüllungen privater Natur erwartet, wird enttäuscht. Es gibt sie. Doch Kellen wahrt immer die Form. Nach der Flucht aus Deutschland lernt er 1934 in Paris Klaus Mann kennen. Der stellt ihn in Amerika später dem Vater vor. Besuch vom "hübschen Freund Katzenellenbogen", schreibt Thomas Mann in sein Tagebuch. Um wenig später ernüchtert zu notieren: "Gar nichts kann werden. Er betont seine Normalität." Von der Vorliebe Manns für junge Männer ist bei Kellen nichts zu lesen. Statt dessen lässt er sich über dessen gespaltenes Verhältnis zu Deutschland aus oder rekapituliert den streng geordneten Tagesablauf. Er lobt Manns "unveränderlichen Humanismus", seinen "Sinn für Humor" und ist mit ihm in der "abgrundtiefen Verachtung der Nazis" einig. Auch vermittelt Kellen einen Eindruck von der aufgeladenen Atmosphäre im Hause Mann. Wenn etwa die Söhne Klaus und Golo vor dem Essen mit dem Vater sich "geeigneten Gesprächsstoff" zurechtlegen.

Kellen erzählt, wie er mit der jungen Erika Mann in Detroit seine spätere Ehefrau Virginia deren Gatten entführt und umgehend heiratet. Und wie er als Besatzungsoffizier in Europa für die Befreiung kämpft. Ein Schönheitsfehler der lesenswerten Erinnerungen sind die unmotiviert angehängten Texte, die Kellen in Zeitungen publizierte. grom

Konrad Kellen: Mein Boss, der Zauberer. Thomas Manns Sekretär erzählt. Rowohlt, 254 S., 19,95 Euro