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Kulturtipps in Corona-Zeiten
Gedichte sind das beste Rezept

 Oliver Schwambach
Oliver Schwambach FOTO: SZ / Robby Lorenz
Theater, Konzertsäle, Museen: Fast alles ist derzeit geschlossen. Doch gegen Seelenfrust in Corona-Zeiten hilft – frei nach Kästner – die kulturelle Hausapotheke. Von Oliver Schwambach

Theater, Konzertsäle, Museen: Fast alles ist derzeit dicht. Doch wer jetzt mit Kulturentzug und Seelenfrust in der Corona-Vereinsamung darbt: Tatsächlich – Gedichte können helfen. Doktor Erich Kästner ahnte das schon vor über 80 Jahren – und verordnete Erheiternd-Erhellendes aus seiner „Lyrischen Hausapotheke“. Gedichte, alphabetisch sortiert und für jede Pein was Passendes. Sein Rezept: flottes Versmaß und pointierte Zeilen, schließlich war Kästner ein Dr. phil., kein med., der über den großen Preußen-Friedrich promoviert hatte. Seine Lyrik-Arznei entstand in (und gegen) finstere Zeiten, 1936, als die Nazis in Deutschland längst fest im Sattel saßen. Kästner aber, der in der Weimarer Republik so Forsche, versagte sich in dieser Anthologie alles Politische. Rührte aber genau damit viele. Der spätere Großkritiker Marcel Reich-Ranicki berichtete jedenfalls in seiner Autobiographie davon, dass ihm Kästners Buch durch die schlimme Zeit im Warschauer Ghetto half. Was Erich Kästner, der 1974 starb, übrigens nicht wissen konnte: Wie Recht er damit hatte, dass Lyrik ein Gegenmittel gegen Not und Frust ist. Forscher untersuchten vor ein paar Jahren im Computertomograph, wie sich das Hören von Gedichten auf das Hirn auswirkt. Ergebnis: Reim und Rhythmus wirken stimulierend und heben gar die Stimmung.

Erich Kästner: Doktor Kästners Lyrische Hausapotheke. Atrium, 12 Euro.