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Debatte um Kollegah-Urteil des Landgerichts Saarbrücken
Gericht zensiert Kollegah-Auftritt

 Muskelpaket des Anstoßes: Der Rapper Kollegah provoziert nicht nur mit antisemitischen Textzeilen.
Muskelpaket des Anstoßes: Der Rapper Kollegah provoziert nicht nur mit antisemitischen Textzeilen. FOTO: dpa / Matthias Balk
Saarbrücken. Umstrittener Rapper darf Auschwitz-Zeile bei Konzert nicht singen. Der Synagogengemeinde Saar reicht das Urteil nicht aus – und sie ist enttäuscht über das Bündnis „Bunt statt Braun“. Von Dietmar Klostermann

Der Vorsitzende der Synagogengemeinde Saar, Richard Bermann, hat den Beschluss des Saarbrücker Landgerichts zum bevorstehenden Auftritt des umstrittenen Rappers Kollegah in Saarbrücken als „unbefriedigend“ bezeichnet. „Der Beschluss bezieht sich nur auf die eine Textzeile des Rappers. Dabei hetzt Kollegah in seinem Werk auch gegen Schwule und Frauen“, sagte Bermann. Kollegah tritt am kommenden Mittwoch in der „Garage“ an der Bleichstraße auf. Das Landgericht hatte in seinem Beschluss die Geschäftsführung der Saarevent GmbH verpflichtet, dafür zu sorgen, dass der Rapper, der eigentlich Felix Blume heißt, den Titel „08/15“ von der CD „JBG3“ mit Farid Bang (Textzeile „Mein Körper definierter als von Auschwitz-Insassen“) nicht vorträgt. Damit gaben die drei Richter der Klage Gilbert Kallenborns, eines Juden aus Dillingen, teilweise statt.

Bermann sagte, enttäuscht sei er auch über das Verhalten des Bündnisses „Bunt statt Braun“ im Saarland. Er habe das Bündnis, das in der Vergangenheit Groß-Demonstrationen mit mehreren Tausend Teilnehmern gegen NPD-Veranstaltungen organisiert hatte, gebeten, mit der Synagogengemeinde gegen den Kollegah-Auftritt vor der „Garage“ zu demonstrieren. Doch er habe keine Antwort auf diese Bitte erhalten. „Was soll so ein Bündnis, wenn es nicht funktioniert“, erklärte Bermann. Die Synagogengemeinde selbst bestehe zum größten Teil aus Senioren. Er habe deshalb davor zurückgeschreckt, selbst eine Demo zu organisieren, zumal er nicht wisse, wie die Kollegah-Fans reagierten. Philipp Weis, Sprecher von „Bunt statt Braun“, wollte sich nicht in der Presse zu der Kritik äußern.

Der Landesbeauftragte für das jüdische Leben und gegen Antisemitismus im Saarland, Professor Roland Rixecker (SPD), sagte unserer Zeitung: „Der Beschluss des Landgerichts ist mutig und richtungsweisend.“ Rixecker, der auch Präsident des Saar-Verfassungsgerichtshofs ist, betonte: „Ich sehe die Sache genauso wie die Richter des Landgerichts. Das, was Kollegah vorträgt, geht nicht. Das ist menschenverachtend.“ Nach Kenntnis Rixeckers gibt es in Deutschland noch keinen so weitreichenden Beschluss eines Gerichts gegen Texte des Rappers Kollegah. „Wir müssen weiter wachsam sein in Deutschland“, sagte Rixecker und erinnerte an den Mordanschlag auf die Synagoge in Halle.



Mario Strasser von der Saarevent GmbH erklärte, dass der Beschluss des Landgerichts juristisch geprüft werde. „Dass der Auftrag einer Zensur nicht bei einem privatwirtschaflichen Veranstalter, beziehungsweise in diesem Falle lediglich Hallenbetreiber liegt, sollte klar sein“, erklärte Strasser. Dennoch hätte sich die Saarevent GmbH versichern lassen, dass die fragliche Textzeile nicht auf der Bühne gespielt werde. Dafür sei nur ein simples Telefonat nötig gewesen statt eines kostspieligen Gerichtsverfahrens.

Strasser wies zudem darauf hin, dass der Zeilen-Urheber nicht Kollegah selbst sei, sondern Farid Bang. „Alleine, dass dieser Umstand großzügig übersehen wurde, spricht dafür, dass es hier wenig um fundierte juristische Urteile geht“, so Strasser.