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Festival in Orscholz
Summa cum laude an der Gitarre

Orscholz. Michael Marx, Don Alder & Sönke Meinen brillierten beim 10. Orscholzer Gitarrenfestival. Von Sebastian Dingler

„Sehr schön war das!“ „Alle drei!“ „Ja, und jeder auf seine Weise.“ Der mitgelauschte Dialog eines älteren Ehepaars beim Rausgehen sagte eigentlich alles aus über das zehnte Orscholzer Gitarrenfestival am Samstag im Cloef Atrium. Drei Ausnahmegitarristen gab es zu hören, wobei sich der saarländische Lokalmatador Michael Marx gegen zwei internationale Gitarren-Stars behaupten musste.

„Das ist das Beste, was wir in den letzten neun Jahren hier hatten“, meinte Veranstalter Michael Rauch vom Merziger Kulturzentrum Villa Fuchs zu Beginn. In der Tat war höhere Gitarrenkunst kaum vorstellbar. Der Kanadier Don Alder hat wie der Ostfriese Sönke Meinen mehrere internationale Gitarrenwettbewerbe gewonnen. Dennoch konnte Marx zum Auftakt mit Charme, ansteckender Spielfreude und gesanglichen Qualitäten punkten. Auch hatten seine Kompositionen durchweg einen angenehm-entspannten Charakter – passend, das eine davon, „Le ciel sur les arbres“, Marx’ Sommerurlaub-Gefühl in der Hängematte ausdrückte.

Don Alder bewies anschließend spektakuläre Virtuosität und weitete die Möglichkeiten des Gitarrenspiels am meisten aus. Allein, wie seine Greifhand manchmal nicht wie gewöhnlich von unten, sondern von oben die Saiten bediente, während die Zupfhand melodisch eingriff, ließ die Augen mancher Hobbygitarristen im Publikum größer werden. Gefiel dem Kanadier eine Stelle besonders, hielt er schon mal inne, um eben das dem Publikum mitzuteilen. Alder hatte auch das imposanteste Instrument dabei, eine Harfengitarre oder Kastenhalslaute: eine Mischung aus Harfe und Gitarre, wobei die tiefen Töne vom harfenähnlichen Klangkörper stammten. Sagenhaft sanfte Bässe holte er für sein meditatives Stück „Man from Lady Lane“ aus dem Instrument – leider benutzte er es nur für diesen einen Song.



Bühne frei für Sönke Meinen, den mit Abstand Jüngsten des Trios – gerade mal 26 Jahre zählt der Gitarrist, der kurz vor einer Japantournee steht. Durchschnittlich begabte Hobbygitarristen dürften wohl ein halbes Jahr üben, um nur eine Minute von Meinens Stücken nachzuspielen. „Die Künstler hier werden nach Anzahl der Töne bezahlt“, witzelte der Sechs-Saiten-Paganini, da habe er sich wohl schon nach zwei Stücken einen Vorsprung herausgespielt. Sagenhaft, wie er das schon für Klavierspieler schwierige Stück „Frevo“ von Egberto Gismonti auf die Gitarre legte oder wie er bei der Eigen-Komposition „Perpetuum Mobile“ einen hochkomplizierten Basslauf noch mit Melodie und Harmonien anreicherte. Als Zugabe kamen am Ende alle drei Gitarreros gemeinsam auf die Bühne, um eine ungeprobte Version von Stevie Wonders „Superstition“ abzuliefern – das wurde am Ende mit stehendem Beifall bedacht. Das Publikum wollte jedoch noch mehr, also musste Sönke Meinen noch mal heraus und rundete den Abend mit einem unverstärkten Stück ab.