| 22:41 Uhr

Provenienzforschung
Stiftung fordert Leitlinien für Umgang mit kolonialem Erbe

Berlin. Die Preußenstiftung regt an, dass Museen die Provenienz ihrer Bestände klären und sich mit den Herkunftsländern einigen.

Der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Hermann Parzinger, hat eine internationale Vereinbarung für den Umgang mit dem kolonialen Erbe in Museen und staatlichen Sammlungen angeregt. „Die Museen dürfen mit dieser schwierigen Frage nicht alleingelassen werden“, sagte Parzinger. „Ähnlich wie beim Umgang mit NS-Raubgut sollte die internationale Gemeinschaft gemeinsame, verpflichtende Prinzipien verabschieden. Entscheidend wäre, einen Konsens mit den Herkunftsländern zu erreichen.“

Nach dem Bekenntnis des französischen Präsidenten Emmanuel Macron zu fairen Beziehungen zwischen Europa und Afrika sieht Parzinger gute Chancen für einen solchen Vorstoß. „Die Unesco könnte dabei eine wichtige Rolle übernehmen. Sie ist durch den Austritt der USA zwar geschwächt, aber sie ist nach wie vor die von den Vereinten Nationen eingesetzte Organisation, die wichtige Fragen zum kulturellen Erbe der Menschheit erörtert und moderiert.“ Ein erster Schritt könnte dem Stiftungschef zufolge eine internationale Konferenz auf europäischer Ebene sein – mit den ehemaligen Kolonialmächten Spanien, Großbritannien und Frankreich.

„Es geht in der ganzen Debatte nicht zuvorderst um die Frage Rückgabe oder nicht“, sagte der 58-Jährige. „Es ist eine moralische Verpflichtung, die Herkunft der Bestände zu klären und gemeinsam mit den Herkunftsgesellschaften darüber zu reden, wie wir diese Objekte ausstellen und was wir darüber erzählen.“



Das Thema hat für die Preußenstiftung besondere Brisanz, weil sie vom Jahr 2019 an ihre weltberühmten Sammlungen aus dem Ethnologischen Museum und dem Museum für Asiatische Kunst im neuen Humboldt Forum im Berliner Schloss zeigen will. Die Stiftung, eine der größten Kulturinstitutionen weltweit, war in die Kritik geraten. Wissenschaftler hatten ihr vorgeworfen, den Herkunftsfragen noch nicht ausreichend nachgegangen zu sein.

„Wir werden ins Humboldt Forum mit etwa 25 000 Objekten umziehen. Und wir werden von Anfang an alles offenlegen, was wir über ihre Geschichte wissen“, versicherte Parzinger. „Aber für viele Stücke braucht es eine vertiefte, auf Jahre angelegte Erforschung. Wir sind uns mit der Politik einig, dass es für eine solche systematische Forschung zusätzliche finanzielle Mittel braucht, wie es sie ja für die Provenienzforschung der NS-Zeit schon länger gibt.“ Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) hatte zugesagt, mehr Geld bereitzustellen.