| 23:24 Uhr

Ein Nachbau zeigt, wie es funktioniert haben könnte
Steinerner Verschluss von Pharaograb rekonstruiert

Kassel. Mit Steinblöcken haben Ägypter die Grabkammer der Cheops-Pyramide verschlossen. Wissenschaftler haben die Technik getestet.

Leise und langsam senken sich drei 2,5 Tonnen schwere Steinblöcke nacheinander vor das Grab des Pharao. Vor 4500 Jahren muss dieser Moment in der Cheops-Pyramide bei Kairo magisch gewirkt haben. Doch dahinter steckte weder Zauberei noch massive Muskelkraft – sondern eine geniale Mechanik. Forscher der Universität Kassel haben die Technik rekonstruiert und am Freitag vorgeführt.

„Das Verschließen der Grabkammer war ein bedeutender ritueller Akt, der einen angemessenen Ablauf verlangte“, sagte der Kasseler Professor Uwe Dorka, Leiter des Fachgebiets Stahl- und Verbundbau. Für den als gottgleich geltenden Pharao sei „nicht einfach nur die Tür zugemacht“ worden. Stattdessen entwickelten die Ägypter 2500 Jahre vor Christus eine Mechanik, die heute noch verblüfft. Nach den Erkenntnissen des Ingenieurwissenschaftlers Dorka liegt das Geheimnis in einer geschickten Führung von Hanf-Seilen. Diese umschlingen die Blöcke und halten sie an der Aufhängung. Die Reibung zwischen Seil und Blöcken sei so hoch, dass die Quader stark gebremst werden. Zwei Personen reichten, um sie kontrolliert abzulassen. Walzen oder andere bewegliche Teile sind nicht nötig.

Das bewiesen die Forscher auf dem Universitäts-Gelände. Dort hatte Dorka die Fallsteinkammer nachgebaut. Sie ist der Durchgang zwischen der Grabkammer des Cheops und der sogenannten „Großen Galerie“ der Pyramide. Die Steine, mit denen die Kammer verschlossen waren, und die Aufhängung sind im Laufe der Jahrtausende verloren gegangen. Die Forscher rekonstruierten sie.



Nach Ansicht der Wissenschaftler hingen die drei Granitblöcke an vier Seilen, die auf Kupferblechen über unbewegliche Rundhölzer liefen. Dorka und sein Team untersuchten eine Vielzahl möglicher Seilführungen, testen Seilbremsen und den Einsatz von Schmiermitteln. 30 000 Euro kostet der Versuchsaufbau, eineinhalb Jahre dauerten Bau und Tests. Die Erkenntnis: Es seien keine große Kraft nötig, um die Steine herabzulassen.

(dpa)