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Neu im Kino
Die galaktischen Ritter sind wieder unterwegs

 Die Helden des Films im „Millennium Falcon“, dem legendären Raumschiff-Schrotthaufen: der zottelige Chewbacca (Joonas Suotamo), Poe Dameron (Oscar Isaac), Finn (John Boyega) und Rey (Daisy Ridley).
Die Helden des Films im „Millennium Falcon“, dem legendären Raumschiff-Schrotthaufen: der zottelige Chewbacca (Joonas Suotamo), Poe Dameron (Oscar Isaac), Finn (John Boyega) und Rey (Daisy Ridley). FOTO: Lucasfilm / Disney
Zweibrücken. Die Weltraum-Saga „Star Wars“ geht in die letzte Runde: Episode IX heißt „The Rise of Skywalker“ und läuft jetzt in deutschen Kinos. Von Martin Schwickert

„Die Toten sprechen“ lauten die ersten Worte des Buchstabenteppichs, der nun schon zum neunten Mal in die weit, weit entfernte Galaxie ausgerollt wird. Und mit den drei Worten wird das Überraschungspotenzial dieser letzten Folge der dritten Star-Wars-Trilogie erheblich erweitert. Denn wenn Tote sprechen, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass sie wieder auf der Leinwand auftauchen, schmerzhafte Abschiede zumindest für kurze Momente ihre Gültigkeit verlieren, verstorbene und nachfolgende Generationen im Star-Wars-Universum zusammenfinden.

Dabei wäre fast alles aufgeflogen. Der Plot eines neuen Star-Wars-Filmes unterliegt einer ähnlich strengen Geheimhaltungsstufe wie der Zugangscode zu nuklearen Sprengköpfen. Die Trailer sind so, dass sie keinerlei Rückschlüsse auf die Handlung zulassen und zu Spektulationsorgien im Internet anregen. In Vorab-Interviews reden die Schauspieler gut gecoached um den heißen Brei herum. Die Presse bekommt die Filme nur einen Tag vor Start mit strengen Embargo-Auflagen zu sehen. Und dann lässt einer aus dem Ensemble das Drehbuch unter dem Hotelbett liegen. Eine Reinigungskraft findet das supergeheime Skript, gibt es an einen Mittelsmann weiter, der es auf Ebay verticken will. Nur knapp konnte die Produkionsfirma den Verkauf vereiteln.

Und tatsächlich hat diese neunte Episode einiges an Überraschungen zu bieten, auch wenn hier vieles beim Alten bleibt. Schließlich musste Regisseur J.J. Abrams, der nur kurzzeitig für Folge 8 das Zepter aus der Hand gegeben hatte, auch diesmal wieder alte Traditionalisten und eine neu nachgewachsene Fangemeinde gleichermaßen bedienen. Das ist ihm mit einigen Tricks aus den Bereichen Telepathie und Reinkarnation gelungen. Sogar Carrie Fisher, die nach den Dreharbeiten zu „Die letzten Jedi“ verstarb, lebt in der Rolle der Prinzessin Leia weiter.



Aus bereits gedrehtem Material haben die Digital-Ingenieure ihre Figur flüssig ins Geschehen hineingepixelt. Leia ist weiterhin die weise Matriarchin der Rebellenarmee, die in der letzten Folge stark dezimiert wurde. Alle Hoffnungen ruhen in der letzten Jedi-Ritterin Rey (Daisy Ridley), die jedoch immer noch mit ihren übernatürlichen Kräften und der damit verbundenen Verantwortung hadert. Zudem steht sie weiterhin in regem telepathischem Kontakt mit dem finsteren Kylo Ren (Adam Driver), der von Luke Skywalker (Mark Hamill) zum Jedi-Kämpfer ausgebildet wurde und dann auf die dunkle Seite wechselte. Die Hass-Liebe-Beziehung, die sich immer wieder in dekorativen Laserschwert-Kämpfen entlädt, ist das Kernstück des Finales.

Damit treibt Abrams ein Grundprinzip der Star-Wars-Saga beherzt weiter, wo die Durchlässigkeit zwischen Gut und Böse stets für die wichtigsten Spannungsmomente sorgte. Verbunden sind Rey und Kylo Ren nicht nur durch ihre Jedi-Kräfte, sondern auch durch harte Brüche in der eigenen Familiengeschichte, mit der sie keinen Frieden finden können. Auch hier gibt es wieder verwandtschaftliche Enthüllungen, die einer Soap-Opera würdig wären. Spannend sind die Gefechte der beiden, die sich einander ins jeweils andere Lager zu ziehen versuchen, vor allem dadurch, dass sich mit Adam Driver und Daisy Ridley zwei junge, starke Schauspielerkaliber gegenüberstehen, die in dieser Folge für den stärksten Charisma-Input sorgen. Aber natürlich gibt es nicht nur das Psycho-Duell zwischen Gut und Böse, sondern auch handfeste ballistische Auseinandersetzung. Schließlich hat die dunkle Seite kräftig aufgerüstet. Die „Erste Ordnung“ ist als Unterdrückungsregime passé. Nun droht die totale Machtergreifung der „Letzten Ordnung“ unter der Führung eines allmächtigen Strippenziehers mit hohem Wiedererkennungspotenzial.

Abrams choreografiert die Schlachten zu Lande, zu Wasser und in der Luft mit kreativer Dynamik, indem er die riesigen Raumschiff- und Waffenearsenale des Bösen immer wieder mit der wendigen Flotte der Rebellen konfrontiert. Ihren Anteil an den gelungenen Schauwerten haben hier auch die Produktionsdesigner. Das Lager der Rebellen ist ein wildes Dschungelcamp. Der finale Schwertkampf zwischen Rey und Kylo Ren wird auf einem riesigen Wrack im Meer ausgetragen, über dem immer wieder meterhohe Wellen zusammenschlagen. Das sind echte Kinobilder, die im Gedächtnis bleiben und auf dem Handy-Displays nicht zur Geltung kommen werden. Anders als so manches andere Franchise-Finale – man denke nur an die letzte Folge von „Herr der Ringe“ – erstickt „Der Aufstieg Skywalkers“ nicht in brachialem Digitalgemetzel, sondern findet in Parallelmontagen eine gute Balance zwischen halsbrecherischer Action und spannender Figurenentwicklung. Schluss ist mit diesem Finale jedoch noch lange nicht. Denn im Star-Wars-Universum ist nach der Trilogie immer auch vor der Trilogie. Und so lange wie bei George Lucas, der zwischen erster und zweiter Trilogie 16 Jahre vergehen ließ, müssen die Fans bei „Disney“ sicherlich nicht warten.

 Adam Driver als finsterer Kylo Ren.
Adam Driver als finsterer Kylo Ren. FOTO: Lucasfilm Ltd. / Lucasfilm
 Leia Organa, gespielt von Carrie Fisher (1956-2016).
Leia Organa, gespielt von Carrie Fisher (1956-2016). FOTO: dpa / Lucasfilm Ltd.