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Festival Perspectives
„Speakeasy“ zeigt Akrobatik mit Witz in Kneipen-Kulisse

Saargemünd. The „Rat Pack“ führte bei den „Perspectives“ in Saargemünd vor, wie man Komik und vollendete Körpertechnik kombiniert. Von Christoph Schreiner

„Rat Pack“ (Rattenmeute) nannte sich eine Entertainertruppe um Dean Martin, Sammy Davis Jr., Frank Sinatra und Shiley McLaine die ab 1959 in Las Vegas zu gemeinsamen legendären Bühnenshows zusammenfand. Lediglich ihren Namen entlehnt die französische „Rattenmeute“, die nun am Freitag und Samstag mit ihrer kongenialen Zirkus-Choreografie „Speakeasy“ im Rathaus von Saargemünd im Rahmen von „Perspectives“ gastierte. Als historische Folie für ihre bemerkenswert ausgefeilte Cirque-Modern-Stunde dient der Combo denn auch nicht die überschäumende Swing-Ära, sondern die zwielichtige Zeit der amerikanischen Prohibition – die Gangster-Boomzeit der 30er Jahre, als in Hinterzimmern zur Umgehung des Alkoholverbots illegale Bars florierten – „Speakeasy“ (Flüsterkneipen) genannt.

Ein paar Tische und Stühle, ein Bar-Tresen mit Shakern, darum gruppiert eine Handvoll im Stil der 30er gewandete Typen (Mafioso, Bodyguard, Barkeeper, Nebenbuhler) und High-Heels-Girls – mehr braucht es nicht, um loszulegen. Wobei eingespielte Elektrobeats des französischen DJ Kollektivs „Chinese Man“ den Szenenfolgen der sechs Artisten von Beginn an die nötige Wucht und Schubkraft geben. „Speakeasy“ pulsiert mit einem wohlkomponierten Mix aus Akrobatik, Pantomime, Ballettanleihen und Situationskomik.

Ob nun Vincent Maggioni mit dem linkerhand aufgepflanzten Chinesischen Mast wie verwachsen scheint, so mühelos, wie er daran auf und ab gleitet oder ob Xavier Lavabre und Anne-Kathrin Jornot gemeinsam Salti oder Kopfstände auf einer Hand oder aus dem Nichts heraus Überschläge vollführen – nie lässt diese „Rattenmeute“ Zweifel daran, dass sie ihr circensisches Handwerk versteht. Was den einstündigen Abend rhythmisiert, ist der beständige Wechsel zwischen aufgedrehter Körper-Virtuosität und retardierenden Pantomime-Nummern. Da wird der Tresen dann mit einem Mal für Clara Huet (in der Rolle einer lasziven Schönheit von schlangenartiger Grazilität) und Andrea Catozzi (ansonsten in der Rolle des linkischen Barkeepers) zur Bühne für ein Achthände-Theater.



Wie „Rat Pack“ immerzu neue Paar-Szenen gebiert und dabei Komik mit vollendeter Körpertechnik kombiniert, das ist streckenweise famos. Etwa, wie Jornot am Tisch sitzend aus ihrem Körper eine Gliederpuppe macht, die sich nach Belieben zusammenfaltet. Als zuletzt dann noch Guillaume Juncar, als tumber Bodyguard bis dahin nur der Witzbold vom Dienst, minutenlang im Rhönrad ein furioses Bewegungstheater vollführt, ist das Publikum dem Sextett endgültig erlegen. Großer Applaus.