| 22:30 Uhr

Saarbrücker Sparte 4
Sozusagen ausbaufähig: Saarbrücker Late Night Show

SST-Schauspieler Michael Wischniowski hatte sich seine Kollegin Juliane Lang zur ersten „Spätnachtschau“ in die Sparte4 eingeladen.
SST-Schauspieler Michael Wischniowski hatte sich seine Kollegin Juliane Lang zur ersten „Spätnachtschau“ in die Sparte4 eingeladen. FOTO: Sebastian Dingler
Saarbrücken. Premiere (weitgehend) gelungen: Das neue Sparte 4-Format „Spätnachtschau“ mit SST-Schauspieler Michael Wischniowski hat Zukunft. Von Sebastian Dingler

Charmante Umsetzung einer hübschen Idee am Ostersonntag in der ausverkauften Sparte 4: SST-Schauspieler Michael Wischniowski lud dort zu einer so genannten Spätnachtschau ein. Gemeint war damit das einst von Harald Schmidt im deutschen Fernsehen bekannt gemachte Format der US-Late Night Show mit dem klassischen Ablauf: Moderator macht ein paar Späße, führt zwei Interviews mit Gästen, und dazu gibt’s Live-Musik.

 „Maximal 30“ Zuschauer habe er erwartet, meinte Wischniowski, der mit dem Dreirad auf die Bühne gefahren war – seine Anfangsnervosität legte sich dann aber im gelungenen Intro der Show, als der Schauspieler einige Zeilen von Schnellrapper Kollegah in Normalgeschwindigkeit vortrug. Der protzig-prollige Schwachsinn im Lesungsstil sorgte schon mal für viele Lacher. Danach war die Bühne frei für den exaltierten Auftritt des ersten Gasts, Schauspielkollegin Juliane Lang, ebenfalls am Staatstheater beschäftigt. Fürs erste Mal, so sagte Wischniowski hinterher, habe er bewusst ihm bekannte Gäste gewählt – wahrscheinlich, um einen leichteren Einstieg ins Format zu finden. Da hätte er sich aber gerne mehr zutrauen dürfen, denn das Gespräch mit Lang geriet teilweise zum Fachgeplänkel zweier Angehörigen desselben Berufs („Und wie war das für dich so?“); der inflationäre Gebrauch des Füllworts „sozusagen“ von beiden Dialogpartnern sowie der Redewendung „das hat auch voll Bock gemacht“ von Lang für so ziemlich alles, bei dem sie je mitwirkte, zeugten von überspielter Nervosität.

Um so willkommener waren die Einschübe ins Interview: eine auf den Monitor projizierte Szene aus „Dantons Tod“ im Gameboy-Stil, ein von Lang vorgetragener, selbst geschriebener Text sowie ein Quiz, bei dem die arme Publikumskandidatin durch anfangs elend-schwere Tipps so verwirrt wurde, dass sie auch nach den Hinweisen „Jungfrau“ und „Frankreich“ nicht auf die nahe liegende historische Figur kam. Interessant gestaltete sich auch Wischniowskis Interview mit den Musikern von Mushroom People. Sänger Lenny Hartmann und er kennen sich aus gemeinsamen Zeiten in ihrer Heimatstadt Hamburg – jetzt sind beide im Saarland gestrandet. „Man hat hier auch Supermärkte und Straßen, auf denen man fahren kann“, sagte Hartmann zur Belustigung des Publikums. Mit den Illinger Brüdern Dean und Dustin Bremerich hat der Sänger bereits einige hervorragend produzierte Songs aufgenommen sowie ein aufwändiges Video an der Zugspitze gedreht. Kaum zu glauben, dass der Auftritt in der Sparte 4 das Live-Debüt der Band war.



Der Song „Follow“ machte Lust auf mehr – wie überhaupt der ganze Abend. Viel Situationskomik, ein sympathischer Moderator, witzige Videokommentare sowie die überaus positive Resonanz des Publikums sorgten für eine gelungene Premiere, die am 2. Juni eine Fortsetzung erleben soll.