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Sinfoniekonzert in Saarbrücken
Solide, aber nicht durchweg beflügelnd

Saarbrücken. Die Radio Philharmonie spielte gestern in der Congresshalle. Von Helmut Fackler

Die 5. SR-Matinée mit der Deutschen Radio Philharmonie unter Christoph Poppen wollte „Fliegende Melodien“ einfangen. Schön wäre das gewesen am sonnigen Palmsonntag. Edouard Lalos Ouvertüre zur Oper „Le roi d’Ys“ konnte damit kaum aufwarten, da sie bis auf ein amouröses Cello-Solo von Heroischem beherrscht wird. Ludwig van Beethovens „Tripelkonzert“ op.56 hatte da mehr zum Motto zu bieten. Lena Neudauer (Violine), Xavier Phillips (Violoncello) und François-Frédéric Guy (Klavier) sind sicherlich ausgezeichnete Kammermusiker. Drei Individualisten, die nicht so recht miteinander verhaftet schienen. Besonders spannend waren ihre Interaktionen nicht, auch wenn Guy mit seinem lebendigen „jeu perlé“ immer wieder eigenwillig treibende Kraft war, die Violine schlankeste Feinheit beisteuerte und das Cello süffige Süße genießen ließ.

Am Pult bremste Poppen immer wieder aus und passte den Orchesterklang den wenig knackigen Soli an. Beethoven, ziemlich soft. Dazu passte die Zugabe: „Adagio“ aus dem „Gassenhauertrio“ op.11. Poppens Verdienste als „Fusions-Chefdirigent“ der Rundfunkorchester aus Saarbrücken und Kaiserslautern von 2007 bis 2011 sind unbestritten. Seine Interpretation der 2. Sinfonie von Brahms geriet solide, aber ein wenig nüchtern. Man vermisste oft das „Grazioso“, das „con spirito“, spannende Dehnungen, feinstes „Pianissimo“, inniges „espressivo“.

Ob allzu viel gestischer Aktionismus am Dirigentenpult die Orchestermusiker in ihren Reaktionen nicht abstumpfen lässt? „Du sollst beim Dirigieren nicht schwitzen, nur das Publikum soll warm werden“ (Richard Strauss). Das gelang mit der finalen Blechgewalt. Und wurde vom Publikum mit viel Beifall belohnt.