| 22:22 Uhr

So war „Electro-Magnetic“ in Völklingen
Techno, Tänzer, Hüttenzauber

Was für ein Ausblick, Feuerwerk inklusive: Electro-Magnetic, fotografiert aus luftiger Höhe.
Was für ein Ausblick, Feuerwerk inklusive: Electro-Magnetic, fotografiert aus luftiger Höhe. FOTO: BeckerBredel
Völklingen. Paul van Dyk und Adam Beyer, Aka Aka und Moonbootica: Die nunmehr sechste Auflage des Electro-Magnetic-Festivals in der Völklinger Hütte hat mit alten Bekannten und interessanten Neuzugängen aufgewartet. Um die 10 000 Besucher feierten ausgelassen bis in die frühen Morgenstunden. Von David Lemm

Im Partykalender ist das Electro-Magnetic-Festival nicht mehr wegzudenken. Wie schon die Jahre zuvor hat am Samstagabend das Hüttenareal bis auf seine Grundmauern gebebt und ist in mannigfaltigem Licht erstrahlt. Auf insgesamt fünf Floors haben sich DJ-Größen und Elektro-Acts aus dem In- und Ausland die Mixer in die Hand gegeben, darunter Paul van Dyk, Adam Beyer, Aka Aka, Moonbootica und viele mehr.

Und eben auch „Junge Junge“, die das Publikum auf der Erzbühne freundlich begrüßen: „Seid ihr gut drauf? Dann starten wir mal.“ Um dann mit viel Samples die sich senkende Sonne zu verabschieden. Ein abwechslungsreicher, vor allem heißer, teilweise staubiger Nachmittag ging dem Ganzen schon voraus, den so mancher Besucher für schweißtreibendes Floor-Hopping nutzte – glücklich, wer den kostenfreien Wasserspender beim Roheisenkanal entdeckte. Während sich in der Handwerkergasse die meisten Besucher vornehmlich im Schutz des schattenspendenden Getränkestands einwippen, legen die Tanzwütigen auf dem schattigen Schrottgleis zu knüppelharten Beats eine heiße Sohle auf den festgetrampelten Schotterboden – der Duracell-Hase lässt grüßen.

Ganz gemächlicher läuft es hingegen im Roheisenkanal an, wo DJ Trikk den solide pumpenden Bass mit buntem Astralglitzer bestreut und ein gefälliges Potpourri vom Stapel lässt, das gut in die Hüfte geht. Gleiches gilt auch fürs ausgeklügelte Set von Gheist.



Platz für musikalische Experimente fernab des erwartbaren Vier-Viertel-Takt-Gedonneres findet sich etwas versteckt unterm Schrägaufzug, wo es nicht nur Musik für Ohren, sondern auch für den Kopf gibt – denn hier wird beispielsweise von „nxtlvl alien gang“ mit Störgeräuschen und abrupten Breaks ein sehr dichter Klangteppich gewebt. Auch ein sonnenstudiogebräunter Astral-Engel findet seinen Weg auf den kleinsten Floor – sein Auftritt wird ihm mit Selfies vergolten.

Überhaupt herrscht an diesem Abend eine ausgelassene und durchweg friedliche Stimmung, was vielleicht auch an dem im Vergleich zu früheren Jahren geringeren Gedränge und dem überwiegend jungen Publikum liegt. Zu keiner Zeit kommt es zu Drängeleien oder Schubsereien; die Ordner regeln souverän die erprobten Zugänge zu den Bühnen und finden Zeit, sich um das Wohlergehen des ein oder ein anderen offensichtlich berauschten und/oder dehydrierten Besuchers zu kümmern.

Mit dem Auftritt von „Aka Aka“ nimmt dann das pyrotechnische befeuerte und mit vielen Lasers unterstützte Spektakel seinen nächtlichen Lauf im Hüttenrund. Der Veranstalter setzt musikalisch und beim Ambiente auf Kontinuität statt auf augenfällige Innovationen. Die Bühne und das Lichterspiel ähneln stark denen des Vorjahres: Die bereits oft gezeigten Imagetrailer informieren, von Raketen befeuert, die Besucher holzschnittartig über das Erbe dieses Ortes, bevor dann die Künstler lobpreisend kurz angekündigt werden. Im VIP-Bereich auf der Kohlehalle tummeln sich derweil so viele Leute, dass es kaum einen Unterschied macht, ob man sich oben oder unten vor der Bühne aufhält – wenn man vom grandiosen Ausblick einmal ansieht, der einem sogar ein Blick auf die vorbeifahrenden, mit flüssigen Stahl befüllten Zugwägen beschert.

Man muss zwar keineswegs mit der vom Veranstalter im gezeigten Imagefilm propagierten Symbiose des ehemaligen Arbeitsorts mit seiner dunklen Geschichte und heutiger hedonistischer Umnutzung d’accord sein (Stichwort: Zwangsarbeiter). Dennoch eignet sich das Areal mit seiner einzigartigen Kulisse bestens für die Bespielung. So sieht es auch Wolfgang (55) aus Neustadt an der Weinstraße. Er hat kurzerhand an seinem ersten Urlaubstag mit dem Wohnmobil das Saarland bereist, um sich den magnetischen Hüttenzauber einzuverleiben – bevor er sich dann in noch in heißere Gefilde aufgemacht hat.

Tausende Tanzwütige am Samstag im Weltkulturerbe.
Tausende Tanzwütige am Samstag im Weltkulturerbe. FOTO: BeckerBredel