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Neues Musical in der Rockhal
So schön „dirty“ wie damals

Die Hauptdarsteller des Musicals Dirty Dancing, Anna-Louise Weihrauch und Maté Gyenei.
Die Hauptdarsteller des Musicals Dirty Dancing, Anna-Louise Weihrauch und Maté Gyenei. FOTO: Claude Piscitelli/Rockhal
Esch/Alzette. „Dirty Dancing: Der Film“ hat vor 30 Jahren nicht nur Kinobetreiber und Tanzschulenbesitzer extrem glücklich gemacht. Ab 9. Januar ist die ebenfalls sehr erfolgreiche Musik- und Tanzshow in der Region zu Gast – in der Rockhal Esch. Von Andreas Feichtner

Irgendwann im Jahr 1987. Die besten Freundinnen gehen zusammen ins Kino – und entscheiden sich spontan für: Dirty Dancing. Beim Jungs-Abend kriegt Patrick Swayze dagegen eher eine Abfuhr. Dann doch lieber zu Schwarzenegger, Predator läuft. Plasmakanone statt Wassermelone? Oh je, so scharf schießt nur das Klischee.

Drei Jahrzehnte später. Die Rockhal Esch hat Journalisten zum Dirty-Dancing-Pressetag eingeladen. Die weltweit erfolgreiche Musik- und Tanzshow – das trifft‘s laut der Macher besser als der Begriff „Musical“ – wird vom 9. bis 14. Januar in der Rockhal zu sehen sein. Eine Live-Show, die seit der Premiere 2004 in Sydney laut Veranstalterangaben schon acht Millionen Zuschauer weltweit gesehen haben: Mit 28 Darstellern, die in über 50 Songs – natürlich samt der Filmhits „Time Of My Life“ oder „She‘s Like the Wind“ – zu Mambo, Merengue und kubanischen Rhythmen tanzen.  Was, schon 30 Jahre her? Ein solches Jubiläum ist im Normalfall ein echter Anreiz: Erinnerungen befeuern an die 80er, an die eigene Jugend, das ist für viele nicht mehr ganz taufrische Bands das beste und manchmal einzige Mittel, Publikum zu locken. Dirty Dancing hat das allerdings nicht nötig, da ist der Fall anders gelagert. Das liegt schon daran, dass die getanzte Romanze um Frances Houseman, Baby genannt, und Johnny Castle im August 1963 spielt – und sie damit als 80er-Retro nur sehr bedingt taugt.

„Die Geschichte ist absolut zeitlos“, sagt Anna-Louise Weihrauch, die „Baby“ spielt: die naive, schüchterne 17-Jährige aus reichem Elternhaus, die sich hoffnungslos in Johnny verliebt. „Die erste Liebe wird es immer geben, Streit mit den Eltern auch. Es gibt leider immer noch Hass, Verfolgung, Ausbeutung – von daher ist das Stück total aktuell. Auch wenn die Kostüme von 1963 anders aussehen als heute.“



Der politische Aspekt – die Bürgerrechtsbewegung in den USA – wird in der Bühnenfassung noch etwas stärker thematisiert, sagt die Hauptdarstellerin. „Die Story ist wie im Film, aber umfangreicher, weil wir auf der Bühne andere Bilder erzählen müssen als im Fernsehen. Dort reicht oft ein Moment, der dir total viel erzählt. Auf der Bühne brauchst du mehr Text und Material.“ Anna Louise-Weihrauch hatte Dirty Dancing als Zehn- oder Elfjährige zum ersten Mal gesehen, auf Videokassette, ausgeliehen von der Nachbarin. Das war irgendwann Mitte, Ende der 90er, in ihrer Heimatstadt Stendal. Um die gleiche Zeit sah auch der Ungar Maté Gyenei, der den Johnny spielt, zum ersten Mal den Tanzfilm. „Ich war damals zwölf Jahre alt. Eigentlich wollte ich mit meinem Bruder einen Actionfilm im Kino anschauen. Aber unsere Mama sagte: ,Nein, wir schauen Dirty Dancing‘.“ Der Frust legte sich schnell. „Ich war sehr begeistert von Patrick Swayze, von den ganzen Tanzszenen oder der Hebefigur. Ich habe nie gedacht, dass ich das einmal selbst spielen würde.“

Die Resonanz sei bisher hervorragend gewesen, sagt Anna-Louise Weihrauch, die schon bei der Tour 2014/15 die Hauptrolle spielte. „Es gibt Unterschiede von Stadt zu Stadt. Etwa, wenn Fans drin sind, die schon durchdrehen, wenn ich mit der Wassermelone ankomme. Andere sind sehr ruhig, hören zu und beobachten – und sind dann am Ende umso lauter, so dass ich mir denke: Wow, wo kommt die Energie auf einmal her!“ Dass mehr Frauen als Männer bei den Vorstellungen sind, das bestätigt Maté Gyenei. „Das Publikum ist sehr unterschiedlich. Viele Frauen sind da, aber auch viele Paare – eigentlich ist von 17, 18 bis 70, 80 alles vertreten.“