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Skulpturen, die den Raum erobern

 "North-Fruit" heißt diese keramische Plastik von Richard Deacon von 2007. Foto: Hans Ole Madsen
"North-Fruit" heißt diese keramische Plastik von Richard Deacon von 2007. Foto: Hans Ole Madsen
Straßburg. Eine Werkschau, bei der etwas fehlt? Dazu lädt derzeit das Museum für Moderne und Zeitgenössische Kunst der Stadt Straßburg ein. Heißt es doch "The Missing Part", das fehlende Teil, mit dem die Werkschau des 61-jährigen Bildhauers Richard Deacon überschrieben ist. Das Fehlen ist hier Prinzip Vob Mitarbeiterin-Mitarbeiterin Sabine Graf

Straßburg. Eine Werkschau, bei der etwas fehlt? Dazu lädt derzeit das Museum für Moderne und Zeitgenössische Kunst der Stadt Straßburg ein. Heißt es doch "The Missing Part", das fehlende Teil, mit dem die Werkschau des 61-jährigen Bildhauers Richard Deacon überschrieben ist. Das Fehlen ist hier Prinzip. Denn Deacon, Biennale-Teilnehmer und Turner-Preisträger, setzt seine Skulpturen stets in Bezug zum (öffentlichen) Raum. Deacon schafft diesen im Museum, indem er in dem wie eine große Spielzeugkiste wirkenden Saal Arbeiten aus den vergangenen 30 Jahren zusammenbringt. Plastik, PVC, Holz, Stahl, Plexiglas und Keramik vernietet, formt und gießt er, wobei sich die konstruktivistischen Faltungen der Anfangsjahre zu raumgreifenden Verschlingungen ausweiten. Deacon verleibt seinen Skulpturen die Leerstellen ein, baut Röhren, verzahnt Holzlatten und treibt metallbewehrtes Holz in Schwüngen in den Raum. Minimalistisch und materialversessen geht er vor und schafft durch die Vielfalt von Form und Material Varianten seines Themas: Es ist dies der Leerraum als Utopie, weil er nur durch Material und Gestaltung zu fassen ist. Je nachdem ist die Skulptur Gegenspieler, Partner, Fremdkörper oder einfach alles zusammen, wie die beiden im Rohan-Palast aufgestellten Keramikskulpturen. Ein weißes Knäuel und eine Balkenkonstruktion mit schwarz-rot-goldenen Tupfen erscheinen zuerst als Fremdkörper und stehen dann doch in geradezu mannigfacher Beziehung zum Ort, dem Parkett, der Wandmalerei, den Chinavasen wie den nebenan ausgestellten Terrinen. Die Ursprünge dieser stets notwendigen Beziehungen liegen in den frühen Performances aus der Zeit seines Kunststudiums an der Londoner Saint Martin's School of Art. Fotos von Performances mit Objekten im Atelier und im öffentlichen Raum, Protokolle, Zeichnungen, Fotocollagen beschreiben den Weg Deacons bis in die Gegenwart. Dabei entsteht eine Chronik der buchstäblichen Entdeckung und Entfaltung von Formen und Räumen. Unabdingbar dafür war und ist der Betrachter. Er ist das fehlende Teil, das erst Deacons künstlerischen Ansatz komplett macht und zeigt, worum es dem Bildhauer von Anfang an ging: um gesellschaftsbezogene Kunst jenseits eines vordergründigen Engagements. Die Ausstellung läuft bis zum 19. September. Öffnungszeiten: Di, Mi, Fr von 12 bis 19 Uhr. Donnerstags von 12 bis 21 Uhr. Sa und So von zehn bis 18 Uhr.