| 22:24 Uhr

Sexismus in der Buchbranche
Sexismus im Literaturgeschäft beklagt

Leipzig. Verband „Bücherfrauen“ weist auf Übergriffe in der Literaturszene hin – Autorin Cole kritisiert aber „Fokus auf das Negative“.

Der Literaturbetrieb hat nach der Einschätzung des Verbands Bücherfrauen ein Sexismus-Problem. „Auf jeden Fall haben wir in der Buchbranche ein Machtgefälle zwischen Männern und Frauen“, sagte die Vorsitzende Jana Stahl auf der Leipziger Buchmesse, die am Sonntag zu Ende geht. Die Mitgliederinnen hätten geschildert, dass dieses Machtgefälle teilweise auch ausgenutzt werde. „Da geht  es vom unerwünschten Körperkontakt – etwa ein sehr ausgedehnter Händedruck, der nicht mehr dem normalen entspricht, bis zum Po-Grapscher – über verbale Anzüglichkeiten bis hin zu sexuellen Andeutungen und zur Nötigung“, sagte Stahl.

Die Bücherfrauen sind ein Netzwerk für Frauen aus Buchhandel, Verlagen, Agenturen und anderen Bereichen des Literaturbetriebs. In einer internen Umfrage unter den rund 1000 Verbandsangehörigen meldeten sich demnach etwa 10 Prozent mit Erfahrungen zu sexueller Belästigung zu Wort.

Auch die Bestseller-Autorin Nina George („Das Lavendelzimmer“) kennt solche Geschichten. „Ich habe eine Kollegin, sehr klug, sehr gut aussehend, die gerät bisweilen in Situationen, wo ihr etwa ein Verleger sagt, sie solle ein bisschen netter zu ihm sein – das würde ihr schon etwas bringen.“ Zudem kritisierte George eine mangelnde Repräsentation von Autorinnen in den Medien. So machten Rezensionen über Werke von Frauen nur etwa ein Viertel aller Buchbesprechungen aus, sagte die 44-Jährige, die dem Präsidium des Schriftstellerverbands PEN-Zentrum Deutschland angehört. Das sei ein Strukturproblem. „Ich habe in einem Jahr mal die Literaturpreise gezählt. Bei den etwa 150 wichtigen, hoch dotierten Preisen gewannen Autoren rund fünfmal häufiger als Autorinnen.“



Die Autorin Isabel Fargo Cole sagte auf der Messe, es könne „kontraproduktiv sein, wenn man Frauen immer suggeriert, sie würden auf jeden Fall diskriminiert werden. Wenn man Frauen ermutigen will, ins Literaturleben zu treten, könnte dieser Fokus auf das Negative auch nach hinten losgehen.“