| 22:50 Uhr

Musikfestspiele Saar
Planschen und plaudern zu barocker Musik

Ein Team geht baden: Bernhard Leonardy und seine Mitarbeiterinnen Eva Karolina Behr und Karin Piening (von links) bei der Wassermusik.
Ein Team geht baden: Bernhard Leonardy und seine Mitarbeiterinnen Eva Karolina Behr und Karin Piening (von links) bei der Wassermusik.
Fechingen. Die Musikfestspiele Saar probieren neue Formate aus: In Fechingen konnte man gestern zu Händels Wassermusik schwimmen. Von Esther Brenner

Die erste, frühe Aqua-Jogging-Gruppe ist im Kinderbecken des Fechinger Kombibades zu Gange, als Bernhard Leonardy – in Badehose – das Mikro ergreift und die „Freunde des Schwimmsports und der Musik“ zu „diesem Experiment“ begrüßt. „Tauchen Sie ein in die Rhythmik Georg Friedrich Händels“, lädt er das überwiegend weibliche Publikum reifen Alters ein. „Spüren sie der Exklamatio nach!“ Im Rahmen der Reihe „For Neophytes – Für Neueinsteiger“ haben sich Leonardy und sein Team der Musikfestspiele Saar dieses Angebot ausgedacht, das heute noch einmal in Altenkessel und Dudweiler stattfindet.

Und dann geht’s los mit der Ouvertüre in F-Dur. Rund 20 vorwiegend ältere Frauen und ein paar wenige Männer sind im Wasser. Im Kinderbecken startet derweil Wassersportgruppe 2. Deren Vorturnerin am Beckenrand schert sich eher wenig um den Takt. Allegro, Adagio – was soll’s, Hauptsache die Frauen bewegen sich. Im großen Becken ziehen rund 20 Schwimmer ihre Bahnen. Auch Bernhard Leonardy und seine Mitarbeiterinnen Karin Piening und Eva Karolina Behr sind jetzt baden gegangen. Händel tönt beschwingt und flott aus den Schwimmbad-Lautsprechern. Seine berühmte „Wassermusik“ hatte er 1731 für einen Bootsausflug des englischen Königs Georg I. auf der Themse komponiert: 50 Musiker spielten dem König auf einer Barke auf, während der auf einer weiteren mit seinem Hofstaat speiste. Er soll so begeistert gewesen sein, dass er zwei Mal „Replay“ drückte – pardon – befahl.

Akkustisch war das Konzert auf der Themse sicher auch eine Herausforderung. Und auch der Sound in einem Schwimmbad ist natürlich nicht perfekt. „Man hört die Töne manchmal nicht so gut, aber das ist nicht so schlimm“, findet Ursula Uhl aus Güdingen, die aber trotzdem sehr angetan ist von dieser Schwimmstunde. Wie Ingeborg Jost aus Bischmisheim besucht sie regelmäßig das Fechinger Kombibad. Für den Wassermusik-Termin ist sie aber wie viele andere gestern morgen eigens hergekommen. „Ich dachte allerdings, es kämen Schwimmerinnen, die ein Wasserballett aufführen“, erzählt sie.



Immerhin schwimmt hier aber der Festivalchef persönlich, samt Team. „Man erkennt sie an den Haaren“, lacht denn auch Frau Jost. Als der zweite Satz in D-Dur beginnt, ist Bernhard Leonardys weiße Locken-Haarpracht bereits nass. Ein sportlicher Schwimmer auf der Bahn rechts außen krault ein paar Züge im Takt. Die Wassersport-Gruppe im Kinderbecken schert sich hingegen nicht um Händels barocken Beat. Man kam ja schließlich nicht zum grazilen Wasserballett, sondern zum Workout. Was soll’s. Die Leute planschen, plaudern und scheinen sich wohl zu fühlen. Um die 40. Minute herum, dann ein Gassenhauer aus der „Wassermusik“, den wohl jeder kennt. Der Sportliche rechts außen scheint wieder kurz den Takt zu halten, aber hört er die Musik überhaupt mit dem Kopf unter Wasser? Beim musikalischen Finale kurz vor zehn Uhr sind dann alle schon irgendwie erschöpft. Am Ende gibt es einen kleinen Applaus und dann geht’s ab unter die Dusche.Die Frauen freuen sich. Sowas könne man doch öfter anbieten, wünschen sie sich. „Können wir die CD behalten?“ fragt Betriebsleiter Thomas Wack.

Und auch das Festival-Team ist zufrieden. Stimmungsvoller hätte es zwar schon sein können. Vielleicht bei einem Schwimmen am Abend bei Kerzenschein und mit ein paar barocken Badeinseln auf dem Wasser. Ideen werden gesammelt. Und doch: Das Experiment ist geglückt.

Heute Abend kann man im Hallenbad Dudweiler von 18 bis 19 Uhr und im Schwimmbad Altenkessel von 19.30 bis 20.30 Uhr zu Händels Wassermusik schwimmen.
Termine: www.musikfestspielesaar.de