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„Wenn es so weit ist, dann ist es so weit“
Trauer um Schauspieler Rolf Hoppe

Schauspieler Rolf Hoppe zeigt den Kunstpreis der sächsischen Landeshauptstadt Dresden, den er im Jahre 2007 erhielt.
Schauspieler Rolf Hoppe zeigt den Kunstpreis der sächsischen Landeshauptstadt Dresden, den er im Jahre 2007 erhielt. FOTO: ZB / Oliver Killig
Dresden. Er war ein Filmstar der DDR und wurde schon vor der Wende international berühmt.

Nazigeneral, Pianistinvater, Patriarch und Sachsens König: „Am meisten hänge ich an den kleinen Rollen“, hat Rolf Hoppe immer gesagt. Sein Ehrgeiz war, aus ihnen Charaktere zu machen. Sein General Göring als Gegenspieler von Klaus Maria Brandauer in István Szabós preisgekrönter Verfilmung von Klaus Manns Roman „Mephisto“ machte ihn 1981 international bekannt. Auch als Vater der Pianistin Clara Schumann in der „Frühlingssinfonie“ von Peter Schamoni zeigte Hoppe Weltklasse, bei den Salzburger Festspielen war er mehrmals der Mammon im „Jedermann“.

Seit 1963 füllte der in Ellrich in Thüringen geborene Sohn eines Bäckers mehr als 400 Film- und Bühnenrollen aus. Er gab im Theater fast allen klassischen und komischen Figuren der Weltliteratur Gestalt. Auch auf Leinwand und Bildschirm reichte sein Spektrum vom Wettiner-König in „Sachsens Glanz und Preußens Gloria“ über den Rabbi in der Komödie „Alles auf Zucker“ bis zum Altvorderen der Pilaster in der Verfilmung von Ken Folletts „Die Pfeiler der Macht“ von 2016.

Der Versuchung, der DDR beim Dreh im Ausland den Rücken zu kehren, erlag er nie. „Der Bauer hängt an seiner Scholle“, bekannte der schon gealterte Mime mit grauem Vollbart und den lustigen blauen Augen. Der Bäckersohn, der nach dem Schauspielstudium wegen Stimmproblemen zunächst als Tierpfleger beim Zirkus arbeitete, zählte zur Riege der DDR-Schauspieler. Sein Name findet sich in wichtigen Produktionen wie „Ich war neunzehn“ und „Levins Mühle“, in den Defa-Indianerfilmen und im Kult-Märchenklassiker „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“.



Wegen der Schurken, die er in den Indianerstreifen wie „Ulzana“ oder „Apachen“ spielte, galt Hoppe lange als „Bösewicht vom Dienst“, obwohl er auch in historischen Verfilmungen über Goya, Beethoven oder Luther agierte. Er blieb auch im neuen Film-Deutschland begehrt, spielte in „Bronsteins Kinder“, „Schtonk!“, „Mario und der Zauberer“, in „Tatort“ und „Polizeiruf 110“. Nur einen Kindermörder und Liebhaber hat er in über 50-jähriger Karriere ausgelassen. Dabei fand er, dass auch „ein dicker Mann liebhaben kann“.

Seit 1995 war der Mime, der von Ruhestand nichts hören wollte, auch Prinzipal eines eigenen Theaters in einem Bauernhof am Stadtrand von Dresden. Nur mit seiner Kraft musste er dann doch haushalten. Dank Enkel Oscar drehte er aber noch in Irland für „Die Pfeiler der Macht“ nach Ken Follett sowie den Kinofilm „Die Blume von gestern“ (beide 2016), mit Lars Eidinger und Jan Josef Liefers. „Und er spielte einen älteren Herrn im Spreewaldkrimi“, sagt der 22-Jährige, der an der Berliner Schauspielschule Ernst Busch studiert – und in die Fußstapfen seines Großvaters und seiner Tante Christine Hoppe tritt.

Seine „Spielwut“ lebte Rolf Hoppe zuerst in einer Laientheatergruppe in seinem Heimatort am Südrand des Harzes aus. Damals verdiente sich der Thüringer sein Geld noch als Kutscher und Bäcker. Der Tod machte Hoppe keine Angst, der Übergang sollte aber erträglich sein, wie er zum 85. bekannte. „Wenn es so weit ist, dann ist es so weit.“

Hoppe starb am vergangenen Mittwoch mit 87 Jahren in seinem Haus am Dresdner Stadtrand.

(dpa)