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Französischer Philosoph Paul Virilio gestorben

Paris. (dpa/PM) Der französische Philosoph und Kulturkritiker Paul Virilio ist, wie seine Tochter erst gestern bekannt gab, am 10. September mit 86 Jahren einem Herzstillstand erlegen.

Berühmt wurde Virilio, der auch als Architekt und Stadtplaner wirkte, mit seinen Überlegungen zur Auswirkung der Geschwindigkeit auf die innere Befindlichkeit von Gesellschaften. Er sah die Beschleunigung als Fluch, mit dem er sich etwa 1992 in seinem Essay „Rasender Stillstand“ kritisch auseinandersetzte und eine Entschleunigung anmahnte. Daneben veröffentlichte Virilio auch Bücher über die Bunker-Architektur des Krieges und zu den Anschlägen vom 11. September 2001 in den USA und geißelte unsere heutige „Live-Demokratie“. Als Katastrophe des modernen Menschen wertete Virilio die „gottgleiche Möglichkeit, praktisch auf der ganzen Welt das gleiche Gefühl zu erzeugen“.