| 23:10 Uhr

Clueso-Konzert im Den Atelier in Luxemburg
„Handgepäck“ im XXL-Format

Der Sänger und Liedermacher Clueso präsentierte in Luxemburg nicht nur Lieder aus seinem aktuellen Album „Handgepäck“.
Der Sänger und Liedermacher Clueso präsentierte in Luxemburg nicht nur Lieder aus seinem aktuellen Album „Handgepäck“. FOTO: Eric Kolling
Luxemburg. Clueso verströmt im ausverkauften Den Atelier in Luxemburg mit den eher unscheinbaren Liedern seines neuen Albums mächtig gute Laune und sorgt auch als Udo-Lindenberg-Imitator für Lacher.

Eng, winzig, gigantisch: Clueso verstand es am Montagabend, das intime Ambiente des Den Atelier in Luxemburg zu nutzen, um eine intensive Musikshow über zweieinviertel Stunden zu zelebrieren. Auf seinem aktuellen Album „Handgepäck“ seien nur Lieder, die er in den letzten sechs Jahren auf Tour aufgenommen habe. Irgendwo zwischen Garderobe und Bühne, im Hotelzimmer, im Auto, vor der Show, danach, erklärt der Sänger und Liedermacher.

Amüsiert nehmen die Besucher zur Kenntnis, wenn er als „Special Effect“ eine winzige Nachttischlampe auf der Bühne anknipst, mit seinen vier Bühnenkollegen frotzelt oder sich darüber amüsiert, wenn ihm das Mikro runterfällt. Die 28-Song-Setliste spielt die Kombo indes mit einer solchen Freude an der Musik und guter Laune herunter, dass es ansteckend ist.

Der entspannende Clueso-Popsound, diesmal mit reichlich Saxofon und heraussprudelnden E-Gitarren-Riffs (stark: Antonio Lucaciu und Christoph Bernewitz) gewürzt, lässt die rund 1200 Besucher im ausverkauften Den Atelier zwar nicht hüpfen und tanzen. Doch gebannt scheint jeder, die Köpfe wippen, der Applaus fällt üppig aus. Besonders bei den Hits wie „Gewinner“, „Chicago“, „Freidrehen“ oder einem Medley aus „Achterbahn“ und dem WM-Song „Zusammen“. Aber auch das Glen-Hansard-Cover „This gift“, bei dem Schlagzeuger Tim Neuhaus stark mitsingt, ist ein Höhepunkt.



Aus dem „Handgepäck“-Album, seinem inzwischen achten, spielt er in Luxemburg elf von 18 Stücken. Als einer der wenigen deutschen Singer-Songwriter schafft es Clueso auch darauf, unbeschwerte Texte zu ersinnen, die ohne Klischees auskommen und doch musikalisch-stilistisch variieren, gut ins Ohr gehen. Die neuen Songs haben zwar wenig Hitpotenzial, sie entfalten aber genau live und vor kleinem Publikum gespielt ihre größte Wirkung. Es sind Titel wie „Vier Jahreszeiten an einem Tag“, das Cover des Crowded-House-Stücks „Four Seasons A Day“, das nach Chanson klingende „Paris“, „Landstreicher“, „Kurz vor Abflug“ oder „Zimmer 102“, das er nach eigenen Worten in einer Hotellobby mit Udo Lindenbergs Musikern aufgenommen hat. Da er bei der Tour mit dem Großmeister nur beim gemeinsamen Lied „Cello“ gebraucht wurde, habe er viel Zeit zum chillen und komponieren gehabt, witzelt der 38-Jährige. Einmal habe Lindenberg der den Stoff an der Wand einer Garderobe aufgetrennt, sei durchgeklettert und habe dann über den „großen Durchbruch“ gelacht. Clueso spielt das so überzeugend nach – wenn er mit der Musik irgendwann nichts mehr am Hut haben sollte, könnte er als Lindenberg-Imitator auftreten.