| 23:11 Uhr

Saarbrücker Festival „Primeurs“
Jedem sein Trauma, jedem seine Erlösung

Tanja Schleiff und Nico Holonics als Elsie und Matt.
Tanja Schleiff und Nico Holonics als Elsie und Matt. FOTO: Saarländisches Staatstheater / ANDREA KREMPER
Saarbrücken. Das Live-Hörspiel „Hafen“ von Mishka Lavigne war ein gelungener Auftakt des Primeurs-Festivals in der Alten Feuerwache. Von David Lemm

Eine bunte Gästeschar von dies- und jenseits der Grenze war am Donnerstag zur Eröffnung des 12. Primeurs-Festivals erschienen – darunter auffällig viele junge Besucherinnen und Besucher. Nachdem Bodo Busse, Generalintendant des Saarländischen Staatstheaters, zweisprachig den Geist der „Convivance“ und des „grenzüberschreitenden Dialogs“ beschworen und SR-Hörspiel-Chefin Anette Kührmeyer kurz ins Stück eingeführt hatte, traten die beiden Hauptfiguren aus dem Dunkel der Alten Feuerwache: Elsie von links, Matt von rechts. Unisono sprachen sie „Hafen/Havre“ der kanadischen Autorin Mishka Lavigne.

Der 14. Juni ist ein Schicksalstag: Gleich drei Ereignisse markieren den Auftakt für Elsies und Matts zärtliche Anbahnung: Denn am 14. Juni starb Elsies berühmte Mutter, die Schriftstellerin Gabrielle Sauriol; der adoptierte Matt kehrte desillusioniert aus Sarajevo nach Ottawa zurück, und in Elsies Straße klaffte seitdem ein Loch mit einem Autowrack, das der Vermessungstechniker Matt nun verfüllen soll. Bei seinen Arbeiten stößt Matt nicht nur auf Gabrielle Sauriols Roman „Hafen“ im Autowrack, sondern lernt auch deren Tochter kennen, zu der er sich hingezogen fühlt. Denn genau wie sie ist er traumatisiert: Während Elsie unter der übergroßen Mutter leidet, sucht der adoptierte Matt nach den Wurzeln seiner Kindheit. In ihrer Annäherung beginnen sich beide diese Leerstellen mit liebevollen Erzählungen zu füllen und geben sich gegenseitig Sicherheit und Wärme.

Tanja Schleiff und Nico Holonics verkörpern meisterhaft die Sehnsüchte ihrer Figuren, die Cellist Bo Wiget mit einem beeindruckenden Repertoire an Motiven charakterisiert. Regisseurin Anouschka Trocker gelingt wie bereits in den Jahren zuvor mit dem Einsatz weniger Mittel eine beeindruckende Inszenierung, die lange nachhallen wird.



Am Samstag in der Alten Feuerwache: „Suzy Storck“ von Magali Mougel (18 Uhr); „Pig Boy 1986-2358“ (19.30 Uhr) von Gwendoline Soublin und „Wir sind schön, für hässliche Leute“ von Dany Boudreault (21 Uhr). www.festivalprimeurs.eu