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Premiere in Saarbrücken
Amadeus rockt bald im Staatstheater

  Tom Hulce (l.) spielte Mozart in Milos Formans preisgekröntem Film „Amadeus“ (1984). F. Murray Abraham mimte Salieri und bekam dafür einen Oscar.
Tom Hulce (l.) spielte Mozart in Milos Formans preisgekröntem Film „Amadeus“ (1984). F. Murray Abraham mimte Salieri und bekam dafür einen Oscar. FOTO: picture-alliance / Mary Evans Picture Library / dpa Picture-Alliance /
Saarbrücken. Am Freitag hat „Amadeus“ Premiere im Staatstheater. Peter Shaffers Stück mit viel Musik über die Rivalität zwischen Mozart und seinem Komponistenkollegen Antonio Salieri ist ein Bühnen- und ein Filmklassiker. Ein Blick auf Stück und Verfilmung. Von Tobias Kessler

Nein, wie bei Goethe und Schiller lief das nicht bei den beiden. Auch nicht wie bei Lennon und McCartney: Eine Kreativfreundschaft ist nie erblüht bei Wolfgang Amadeus Mozart und Antonio Salieri. Dazu war die Distanz wohl doch zu groß zwischen dem genialen Salzburger und dem exzellenten, aber eben dann doch nicht genialen Venezianischen Komponisten-Kollegen. Am Wiener Hof von Kaiser Joseph II. sind sich die beiden erstmals begegnet: Salieri ist Hofkomponist, ein erfolgreicher und beliebter dazu, als Mozart von Salzburg als neuer Konzertmeister anreist. Und gemäß dem Sprichwort „Der Bessere ist der Feind des Guten“ knirscht es fortan im Wiener Gebälk, da Salieri das enorme Talent des Kollegen erkennt und allzu menschlich eher mit Neid denn mit Anerkennung reagiert. Das zumindest lässt sich wohl aus betagten Briefen und Zeugnissen belegen – nicht aber wirklicher Hass oder gar der Mythos, Salieri habe Mozart per Gift vom Wiener Parkett entfernen wollen.

Aber ohne Zuspitzung und deftige Spekulation hätte es eines der kunstvollsten Bühnenstücke über Inspiration und Begabung, über schwelende Rivalität und brennenden Neid wohl nie gegeben: 1979 feiert das Stück „Amadeus“ des britischen Bühnenautors Peter Shaffer (1926-2016) seine Premiere am Royal National Theatre und wird – sozusagen subito – ein grandioser Erfolg, wobei der Fokus weniger auf Mozart liegt denn auf Salieri. Der blickt im Stück als alter Mann (Mozart ist da schon tot – er starb 1791, 34 Jahre vor Salieri) auf ein Leben voller Enttäuschung zurück: enttäuscht über Mozart, den er als musikalisch genial, aber menschlich rüpelhaft empfand; enttäuscht über die eigene, im Vergleich schmalbrüstigere Begabung; und enttäuscht über Gott, dass der einem Flegel wie Mozart Genie schenkte, nicht aber ihm. Im Stück versucht er sich am Ende das Leben zu nehmen und hinterlässt ein Geständnis, dass er Mozart mit Arsen vergiftet habe. Doch der Selbstmordversuch misslingt, und niemand glaubt ihm das Geständnis, mit dem er zumindest als Mörder eines Genies in gewisser Weise unsterblich geworden wäre.

„Amadeus“ geht um die Welt, und Shaffer, dessen Stücke „Equus“ und „Die Jagd nach der Sonne“ schon verfilmt sind, schreibt ein Drehbuch. Milos Forman, Tscheche im US-Exil, will es verfilmen, doch Hollywood gähnt herzhaft, bis der Produzent Saul Zaentz den Film anschiebt. Er und Forman hatten 1975 zusammen „Einer flog übers Kuckucksnest“ auf die Leinwand gebracht. 18 Millionen Dollar kostet „Amadeus“, 1984 ein recht hohes Budget; Forman dreht tatsächlich in Wien, vor allem aber in Prag.



In den internationalen Bühnenfassungen haben nahezu legendäre Theatermimen wie Paul Schofield, Ian McKellen und in Deutschland etwa Will Quadflieg (unter anderem in einem Auftritt im St. Wendeler Saalbau) den Salieri gespielt; Regisseur Forman entscheidet sich aber für Unbekannte, deren Aussehen den Konflikt der Figuren noch verstärkt: Tom Hulce, damals 30 Jahre alt, gibt Amadeus als jungenhaften Hof-Punk, dem Gott neben dem Genie auch noch ein unverschämt gutes Aussehen geschenkt hat. Den Salieri spielt F. Murray Abraham, 15 Jahre älter als sein Kollege Hulce (der reale Salieri war nur fünf Jahre älter als Mozart), von Haus aus schütterhaarig und pockennarbig.

Der furiose Film wird ein Triumph: Elf Oscarnominierungen erhält er, gewinnt acht, unter anderem für Regie, bester Film und Drehbuch. Und als wolle das reale Leben die Kunst nachahmen, werden die beiden Rivalen-Mimen zu Oscar-Konkurrenten: Beide sind als beste Darsteller nominiert. Und da hat in gewissem Sinn zum ersten Mal Salieri die Nase vorn: Abraham gewinnt, Hulce nicht, der danach schleichend in Vergessenheit geriet. Mozart selbst wird ein Jahr später dann auch E-Musik-Fernen ein Begriff, die „Così fan tutte“ möglicherweise für ein Pastagericht halten: Falco befeuert mit „Rock me Amadeus“ den Genie-Kult, unter anderem mit der unvergesslichen deutsch-englischen Zeile „Er war so exaltiert / because er hatte Flair“.

Wie nun die Saarbrücker Inszenierung des Burgtheater-erfahrenen Regisseurs Michael Schachermaier (Bernd Geiling als Salieri, Raimund Widra als Mozart) mit dem Genie-Mythos umgeht, zeigt sich am Freitag. Der Untertitel jedenfalls heißt: „Gigastar – das Leben eines Genies“.

Premiere: Freitag, 7. Februar, 19.30 Uhr, im Großen Haus. Karten unter:
Tel. (0681) 309 24 86 und www.staatstheater.saarland/karten