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Rückkehr zur Normalität
„Rock am Ring“ begeistert 70 000 Fans

„Rock am Ring“-Fans lassen sich von schlechtem Wetter nicht abschrecken. Das machte diese Besucherin mit hochgehaltenem Gummistiefel deutlich. So schlimm wie 2017 und 2016 war es dieses Jahr aber lange nicht.
„Rock am Ring“-Fans lassen sich von schlechtem Wetter nicht abschrecken. Das machte diese Besucherin mit hochgehaltenem Gummistiefel deutlich. So schlimm wie 2017 und 2016 war es dieses Jahr aber lange nicht. FOTO: dpa / Thomas Frey
Nürburg. Nach zwei Jahren mit Gewitter-Verletzten und einem Jahr mit Terroralarm stehen beim Rockspektakel am Nürburgring wieder die Musiker im Fokus. Das Wetter spielt meist mit, kein Innenminister muss eingreifen. Die Fans sind entspannt – Polizei und Sanitäter vorerst zufrieden.

Christiane ist begeistert: „Viele gute Bands, coole Leute, alles total locker.“ Die Besucherin aus Geldern am Niederrhein spricht bei „Rock am Ring“ für viele Fans: Nach drei Jahren mit gravierenden Problemen haben bei dem legendären Spektakel am Nürburgring in der Eifel 2018 wieder die Musiker und die Musik im Vordergrund gestanden.

Ausverkauft war das Festival von Freitag bis zum gestrigen Sonntag diesmal mit laut Veranstalter rund 70 000 Fans nicht – im Gegensatz zum vergangenen Jahr mit damals etwa 87 000 Besuchern. Besucher erklärten das damit, dass ganz große Headliner wie etwa Red Hot Chili Peppers und Metallica diesmal fehlten. Das Wetter spielte zu Beginn des meteorologischen Sommers meist mit. Polizei und Sanitäter zogen am Sonntagnachmittag vorerst ein positives Fazit.

Rund 80 Bands traten auf drei Bühnen auf – die meisten im Wechsel beim gleichzeitigen Zwillingsfestival „Rock im Park“ in Nürnberg. Im frühen Juni, dem Monat mit den längsten Tagen, zeigten sich manche Headliner erst sehr spät bei Dunkelheit – um dann Zehntausende Fans um so mehr zum Toben zu bringen.



Die US-Band Thirty Seconds to Mars zum Beispiel ließ in der Nacht zum Samstag Fahnen mit ihrem Logo verteilen und ein Feuerwerk fast wie an Silvester zünden. Die Amerikaner brachten – mal in blaues, mal in orange-farbenes Licht getaucht – die Fans zum Hüpfen im Gleichklang auf dem Asphalt des Nürburgring-Fahrerlagers. Auch die kalifornische Metal-Band Avenged Sevenfold heizte in der Nacht zum Sonntag den meist jungen Besuchern ein – vor echten Feuersäulen.

Romantisch war es zuvor geworden: Vor Abendrot machte am Samstagabend etwa die britische Band Snow Patrol mit teils sehr melodiösen Songs Party. Top Acts in der Abschlussnacht zum heutigen Montag waren die US-Formation Foo Fighters und die britischen Gorillaz. Zuvor sorgte gestern Nachmittag unter anderem die amerikanische Punk-Rock-Band Bad Religion als Stammgast für Stimmung – es war nach eigenen Angaben bereits ihr neunter Auftritt bei „Rock am Ring“, ein Festival, das einen Besucher mittlerweile inklusive Campen und Parken 239 Euro kostete.

Bereits Tage vor dem Beginn der Party hatten Tausende Fans ihre Zelte in allen Farben auf den Campingflächen am Nürburgring aufgeschlagen. In der Nacht zum Freitag erwischte sie noch ein Gewitter. Fabian aus Oberlahr im Westerwald sagte: „Unser Zelt blieb zum Glück trocken. Um uns herum sind ein paar Pavillons fliegen gegangen und einige Zelte abgesoffen.“ Leonie aus Bonn ergänzte: „100 Meter von uns entfernt ist ein Blitz eingeschlagen.“ Zum Glück sei nichts passiert. „Ich lasse mir nicht vom Wetter meine Laune verderben“, betonte Leonie.

Zu Festivalbeginn am Freitag war die US-Band Greta Van Fleet noch vor Fans in bunten Regenjacken und Gummistiefeln aufgetreten. Doch bald hörte der anfängliche leichte Regen auf. Fortan brach meist die Sonne durch die Wolken über der Eifel. Die Stimmung wirkte bei angenehmen Temperaturen entspannt.

2015 und 2016 hatte es dagegen bei Blitz und Donner über „Rock am Ring“ zahlreiche Verletzte gegeben. 2017 wurde die Party wegen eines Terrorverdachts unterbrochen, der sich aber nicht bestätigte. Auf die Frage an „Rock am Ring“-Gründer Marek Lieberberg, ob nun endlich wieder Normalität eingekehrt sei, sagte er: „Solange nicht wieder der rheinland-pfälzische Innenminister Lewentz hier aufschlägt, bin ich entspannt.“ Roger Lewentz (SPD) hatte damals die Unterbrechung des Festivals mit dem Hinweis „Sicherheit geht vor“ als notwendig erklärt.

Diesmal sprach Lieberberg vor Journalisten von „extremer Zufriedenheit“ und ergänzte: „Das ist ein Jahr der Konsolidierung.“ Den Besucherrückgang erklärte der Konzertveranstalter mit der mutmaßlichen Weigerung von Eltern nach den dramatischen Jahren 2015 bis 2017, ihre Kinder zur diesjährigen Auflage fahren zu lassen.

Polizeisprecher Lars Brummer sagte gestern Nachmittag: „Wir sind sehr zufrieden. Es ist ein friedliches Festival mit guter Stimmung.“ Einige Körperverletzungen, einige Diebstähle aus Rucksäcken und Zelten – all dies sei wenig für ein Spektakel mit rund 70 000 Besuchern.

Auch Thorsten Trütgen, örtlicher Sprecher des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), zeigte sich zufrieden – abgesehen von zwei in der Gewitternacht auf Freitag zerstörten DRK-Zelten. Es habe zwar viele kleinere Einsätze wie Wundversorgungen und Behandlungen lädierter Gelenke nach dem Ausrutschen auf den teils immer noch matschigen Campingplätzen gegeben – aber keine gravierenden Zwischenfälle.

Bevor die mächtigen Bässe der Bands vom frühen Nachmittag an über die Grand-Prix-Strecke des Nürnbergrings wummerten, hörten die Fans, wie Motoren auf der benachbarten Nordschleife aufheulten: Im Rahmen der dortigen kostenpflichtigen Touristenfahrten für jedermann düsten wieder getunte Kleinwagen genauso wie teure Supersportwagen aus aller Welt über das legendäre Asphaltband der „Grünen Hölle“.

Und 2019? Dann sollen „Rock am Ring“ und „Rock im Park“ vom 7. bis 9. Juni über die Bühnen gehen – unter anderem mit der deutschen Band Die Ärzte, wie Lieberberg gestern mitteilte.

Der Rapper Casper auf der Hauptbühne des Musikfestivals „Rock am Ring“. Rund 80 Bands traten am Nürburgring auf drei Bühnen auf.
Der Rapper Casper auf der Hauptbühne des Musikfestivals „Rock am Ring“. Rund 80 Bands traten am Nürburgring auf drei Bühnen auf. FOTO: dpa / Thomas Frey