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Tourismuskonzept
Experten: Rheinland-pfälzische Burggärten haben mehr Potenzial

  Schloss Stolzenfels bei Koblenz wird von einem Park umgeben, der einst nach Plänen von Peter-Josef Lenné angelegt wurde. Das Welterbe Oberes Mittelrheintal kann mit der wohl höchsten Burgendichte der Welt punkten.
Schloss Stolzenfels bei Koblenz wird von einem Park umgeben, der einst nach Plänen von Peter-Josef Lenné angelegt wurde. Das Welterbe Oberes Mittelrheintal kann mit der wohl höchsten Burgendichte der Welt punkten. FOTO: dpa / Thomas Frey
Braubach. 132 Seiten stark ist ein Gutachten zum Zustand der Burggärten im Welterbe Oberes Mittelrheintal. Die sollen in Zukunft touristisch besser vermarktet werden.

Von der Burg Klopp in Bingen bis zur Ruine Rossel in Rüdesheim: Die Burggärten im berühmten Mittelrheintal bergen Experten zufolge noch viel bislang ungenutztes touristisches Potenzial. „Es gibt Schätze, die geborgen werden können, und die zur

Entwicklung des Oberen Mittelrheintals beitragen können“, heißt es in einem am Freitag in Braubach vorgestellten Gutachten. Das empfiehlt etwa, die Anlagen mit ihrem außerordentlich hohen kulturellen Wert besser anzubinden. Sie sollen auch Teil des Wanderwegenetzes werden, wie das rheinland-pfälzische Innenministerium mitteilte.

Das 132 Seiten starke Gutachten war im Rahmen der Planungen für die Bundesgartenschau (Buga) 2029 im Oberen Mittelrheintal vom Innenministerium in Mainz in Auftrag gegeben worden. Die Blumenschau soll sich in dem Flusstal zwischen Koblenz im Norden sowie Bingen und Rüdesheim im Süden erstrecken.



Den Zuschlag für das Gutachten hatte das Wiesbadener Landschaftsbüro Bittkau-Bartfelder bekommen. Es nahm eine Bestandsaufnahme für die 39 Burgen- und Schlossanlagen im Welterbegebiet Oberes Mittelrheintal vor. Dafür wurde in zahlreichen Archiven in Rheinland-Pfalz und Hessen recherchiert, historische Karten, Pläne, Zeichnungen und Fotografien wurden ausgewertet, hinzu kamen Ortsbegehungen. Auf Basis des Gutachtens solle mit den jeweiligen Eignern – teils privat, teils kommunal – nun geschaut werden, was sich vor Ort jeweils machen lasse, sagte ein Sprecher des Innenministeriums.

Insgesamt sind dem Gutachten zufolge noch an 19 Burgen Gärten vorhanden, bei sieben Burgen nur noch eingeschränkt, bei dreien sind sie wahrscheinlich vorhanden, aber nicht belegt, bei zehn Burgen gibt es keine. Laut Gutachten ist beispielsweise das Schloss Stolzenfels in Koblenz ein bedeutendes Beispiel für einen umfangreichen Landschaftspark – die Burgen Sooneck, Rheinstein und Reichenstein seien es für innerhalb von Burgen liegende, sanierte Gärten. Hier sei das touristische Interesse nach der Anlage der Gärten stark gewachsen, befinden die Experten. „Dieser Effekt ist für weitere Burggärten zu erwarten“, heißt es in dem Gutachten.

Der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz (SPD) sagte, der Gestaltung des Umfelds der Burgen komme mit Blick auf die Buga 2029 und den sogenannten Managementplan für das Welterbegebiet eine besondere Bedeutung zu. Die Buga soll 2029 nach früheren Angaben der Entwicklungsagentur Rheinland-Pfalz mindestens 1,8 Millionen Besucher anziehen, geplant sind Investitionen von rund 108 Millionen Euro.