| 20:23 Uhr

Serie Angespielt
Schlachten im Namens-Dschungel

 Die Echtzeit-Schlachten sind – wie immer in der „Total War“-Reihe – ein Highlight von „Three Kingdoms“.
Die Echtzeit-Schlachten sind – wie immer in der „Total War“-Reihe – ein Highlight von „Three Kingdoms“. FOTO: Sega/Creative Assembly / Althoff
Zweibrücken. „Total War: Three Kingdoms“ lässt die chinesische (Kriegs-)Geschichte lebendig werden.

(jam) „Wang Kuang hat Liu Dai den Krieg erklärt.“ – „Okay, ist das gut oder schlecht?“ – „Es ist vorläufig egal, weil wir mit keinem von beiden verbündet oder im Krieg sind.“ – „Ach so. Und wer sind wir nochmal?“ – „Cao Cao.“ – „Cao Cao. Ach so. Endlich mal ein Name, den man sich merken kann.“ Creative Assemblys „Three Kingdoms“, neuester Teil der ruhmreichen „Total War“-Serie, ist ein Titel, den man am besten mit Kopilot spielt. Denn die Namen und Intrigen und Komturen (hießen früher „Provinzen“) aus der chinesischen Geschichte bekommt man als Mitteleuropäer ohne Sinologie-Studium nur schwer in den Schädel.

Umso höher ist den Machern anzurechnen, dass sie ein Spiel mit einem derart exotischen Hintergrund auch auf uns Langnasen loslassen (in China verkauft es sich nach Angaben des Entwicklerstudios sowieso wie geschnitten Brot). Denn die Zeit der drei Reiche im dritten Jahrhundert war durchaus faszinierend und bildet einen schillernden Hintergrund für die üblichen „Total War“-Ingredienzien Echtzeit-Schlachten, Runden-Strategie und Diplomatie.

Wobei die Schwerpunkte dieses Mal ein wenig anders verteilt sind, als man es von der Serie gewohnt ist. Was sie bisher von anderen Strategie-Titeln à la „Europa Universalis“ abhob, waren die sehr detaillierten Echtzeit-Schlachten, bei denen Spieler und KI tausende von virtuellen Kriegern aufeinander hetzen konnten. Das ist zwar weiterhin ein wichtiges Element und die Inszenierung wirkt trotz eher verschlimmbesserter Einheiten- und Schlachtsteuerung moderner und aufgeräumter als in den anderen Teilen der Reihe (Aufgeräumt heißt in diesem Zusammenhang auch, dass es nur wenige Spezialeinheiten gibt und meist auf beiden Seiten recht ähnliche Truppen stehen).



Trotzdem liegt der Fokus in „Three Kingdoms“ passend zur durch Intrigen und Verrat geprägten Epoche, mehr auf diplomatischem Vorgehen und der persönlichen Chemie zwischen einzelnen Charakteren. Das fängt schon damit an, dass sich Generäle unter Umständen derart spinnefeind sind, dass man sie tunlichst nicht in der gleichen Armee marschieren lassen sollte. Eigene Charaktere, für die man im Kabinett oder der Armee gerade keine Verwendung hat, kann man sogar zu benachbarten Fraktionen schicken, wo sie dann zum Beispiel tatsächlich als Heerführer auftauchen können. Die Diplomatie wurde ausgebaut und bietet jetzt sehr kleinteilige Möglichkeiten, Abkommen der unterschiedlichsten Art mit anderen Fraktionen abzuschließen. Praktischerweise zeigt das System auch gleich mit einem – positiven oder negativen – Zahlenwert an, wie sehr sich das jeweilige Gegenüber über jedes einzelne Vertragselement ärgert order freut. Schafft man es, die Gesamtsumme auf Null oder gar ins Positive zu bringen, ist die Zustimmung so gut wie sicher.

Wertung (Schulnote): ⇥1-

 Die Generäle werden mit Inventar, Charakterwerten und Fähigkeiten-Tableau fast wie im Rollenspiel präsentiert.
Die Generäle werden mit Inventar, Charakterwerten und Fähigkeiten-Tableau fast wie im Rollenspiel präsentiert. FOTO: Sega/Creative Assembly / Althoff