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Kulturfinanzierung
Promi-Kunst und Gummistiefel – Wie Museen an Geld kommen

Die Benefizaktion „Ein Bild für ein Bild“ soll Geld für die Neuanschaffung eines Bildes bringen, das das Museum sich sonst nicht leisten könnte.
Die Benefizaktion „Ein Bild für ein Bild“ soll Geld für die Neuanschaffung eines Bildes bringen, das das Museum sich sonst nicht leisten könnte. FOTO: Nicolas Armer / dpa
Würzburg/Frankfurt. Von Christiane Gläser

Der Schauspieler Axel Prahl war besonders kreativ: Rote Linien schlängeln sich wild und doch nach einem gewissen System um einen blauen und gelben Punkt. „Abstrakter Expressionismus der 50er Jahre“, sagt Museumsdirektorin Marlene Lauter dazu und lacht. Sie leitet das Würzburger Museum im Kulturspeicher. „Kreatives Potenzial ist überall!“, ist sie überzeugt.

Deshalb hat sie gemeinsam mit dem Frauen-Wohltätigkeitsclub Soroptimist eine Spendenaktion mit zu bemalenden leeren Postkarten ins Leben gerufen. Mit Beteiligungen von Promis wie Axel Prahl soll so Geld für ein neues Bild zusammen kommen, für das sonst keins da gewesen wäre. Das weckt die Erinnerung an eine Spendenaktion des Frankfurter Städelmuseums mit gelben Gummistiefeln vor einigen Jahren.

Das Würzburger Museum ist für seine Sammlung von Konkreter Kunst überregional bekannt und gilt für diesen Kunststil als in Deutschland führend. Das Museum hat zudem eine Städtische Sammlung mit mehr als 30 000 grafischen Arbeiten, Zeichnungen, Gemälden und Plastiken aus dem 19. und 20. Jahrhundert. Für diese Sammlung will Lauter gern ein großformatiges Stillleben in Öl kaufen. 14 000 Euro soll das kosten. Doch das städtische Museum hat keinen Etat für Neuanschaffungen. Im Einzelfall gibt die Stadt zwar Geld dazu, doch der Großteil muss über Sponsoren und Förderer eingetrieben werden.



So wie dem Würzburger Museum geht es vielen Einrichtungen. „Es gibt ja fast überall wenig Mittel vom Staat. Insofern sind die Museen auf eine Sonderfinanzierung angewiesen, wenn sie etwas Besonderes wollen“, sagt Eckart Köhne, Präsident des Deutschen Museumsbundes. „Der klassische erste Ansprechpartner sind die Fördervereine.“ Und je aktiver die sind, desto mehr finanziellen Spielraum haben logischerweise die Museen. Weitere Wege zum Geld führen über Spendengalas, Crowdfunding-Projekte, große Stifter und Gönner sowie die Kulturstiftung der Länder.

Das muss doch auch anders gehen, dachten sich die Würzburger Museumsdirektorin Lauter und die Soroptimisten und verschickten im Sommer an rund 600 Prominente und Künstler eine leere Postkarte. Die Benefizaktion „Ein Bild für ein Bild“ war geboren. Auf der Vorderseite zeigten alle einen gelben und einen blauen Punkt. Dieses Motiv sollten die Angeschriebenen kreativ vervollständigen und zurückschicken. Rund 200 kleine Kunstwerke kamen zurück. Unter den Absendern sind neben Prahl die Schauspielerin Hannelore Hoger, die SPD-Politikerin Andrea Nahles, der Kabarettist Urban Priol, der Autor Paul Maar, die Schlagersängerin Nicole und viele Künstler aus der Region.

Um Geld für Kunst einzuwerben, gehen viele Museen in Deutschland mittlerweile neue Wege. Wie Köhne vom Deutschen Museumsbund bestätigt, werden die Fördervereine, Freundeskreise und Museumschefs in dieser Hinsicht gern auch kreativ. So habe das Städelmuseum in Frankfurt vor einigen Jahren gelbe Gummistiefel erfolgreich zum Leitmotiv einer Spendenaktion für einen millionenteuren Anbau gemacht. Sogar die Fußballprofis von Eintracht Frankfurt tauschten im Rahmen dieser Kampagne für ein Mannschaftsfoto die Stollenschuhe gegen die knallgelben Gummistiefel. Fast 4000 Benefizstiefel wurden zudem verkauft.

„Nicht zuletzt war der Stiefel Anregung für eine Reihe von kreativen Aktionen“, schrieb das Museum in seinem Jahresbericht 2010. „Es ging uns nicht nur ums Geld. Uns war wichtig, dass sich die Bürger mit dem Museum identifizieren. Das Ziel haben wir erreicht, indem die ganze Stadt mitgemacht hat“, sagt Museumssprecher Axel Braun. Viele Frankfurter sprächen seitdem von „meinem Städel“. Am Ende kamen von den nötigen 52 Millionen Euro für Neubau und Sanierung rund 26 Millionen Euro aus privaten Mitteln.

Der Impuls für bürgerschaftliches Engagement ist auch für den Bundesverband der Fördervereine Deutscher Museen für bildende Kunst von enormer Bedeutung. Der Geldmangel der Museen habe deshalb durchaus auch eine positive Seite, sagt Verbandspräsident Ekkehard Nümann. „Wir spüren die Liebe zur Kultur; zum eigenen Museum. Es ist schön zu sehen, wie Bürger das machen und hinter ihren Museen stehen.“ Auch dank dieser Unterstützer sei Deutschland auch in den kleinen Städten reich an kulturellen Angeboten. Nümann zufolge gibt es deutschlandweit zwischen 200 und 300 Museen für Bildende Künste.

(dpa)