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Das Ballett „Prometheus“ hat am 5. Oktober Premiere in Saarbrücken
Der Feuerdieb und Kunstliebhaber

 Ein Blick auf die Proben zu der Choreografie „Prometheus“ von Stijn Celis – Premiere ist am kommenden Samstag.
Ein Blick auf die Proben zu der Choreografie „Prometheus“ von Stijn Celis – Premiere ist am kommenden Samstag. FOTO: Bettina Stöß / Bettina Stoess
Saarbrücken. „Prometheus“ ist die neue Choreografie des Saarländische Staatsballetts. Direktor Stjin Celis bringt den Mythos zur Musik von Ludwig van Beethoven auf die Bühne – und nicht nur in Saarbrücken. Von Esther Brenner

2020 ist Beethoven-Jahr – und auch das Saarländische Staatstheater widmet sich dem berühmten Komponisten. Ballettdirektor Stijn Celis bringt Beethovens einzige Ballettmusik „Die Geschöpfe des Prometheus“ auf die Bühne. „Prometheus“ ist aber kein Handlungsballett, Celis erzählt bewusst nicht die Geschichte des Titanen-Sohnes, der sich mit Zeus anlegt, um den Menschen das Feuer, die Künste und die Erkenntnis zu bringen, und dafür grausam bestraft wird: Der Göttervater lässt ihn an den Kaukasus ketten, wo ein Adler jeden Tag aufs Neue seine Leber frisst. Vielmehr verknüpft Celis mehrere narrative Stränge und Motive des griechischen Mythos, von dem es mehrere Versionen gibt.

Aischylos macht aus ihm einen Retter und Aufklärer der Menschheit. Prometheus bringt den Menschen das Feuer und wird so zum Schöpfer menschlicher Zivilisation, Erfindungs- und Schaffenskraft.

Das ist er auch in Stijn Celis’ Choreografie: eine schöpferische Quelle. Celis lässt seine Tänzer zum Beispiel Ton-Figuren auf die Bühne tragen, sie bearbeiten. Die Tänzer treten zum Teil in hautfarbenen Ganzkörperanzügen auf, schaffen und werden erschaffen. Nach und nach werden die Menschen/Tänzer bekleidet, entwickeln sich als Gesellschaft – und im Tanz.



„Ich habe die Narrative des Mythos in abstrakte Bilder überführt“, erklärt der Choreograf. Das heißt: Es gibt keine Prometheus-Hauptrolle. Vielmehr drehe sich das Ballett in seiner Symbolik und in seinen Figuren um die aufklärerischen Ideen des Prometheus-Mythos. Schwarz/­Weiß ist das Bühnenbild, die Tänzer stoßen Wände auf, blicken hinter die Kulisse, werden erleuchtet, am Ende auch von echtem Feuer.

Als Beethoven die Musik schrieb, feierte man in Europa Napoleon und die Ideen der Aufklärung. 1801 wurde das Ballett, choreografiert von dem für damalige Verhältnisse innovativen Salvatore Vigano, in Wien uraufgeführt. Dem Publikum gefielen die neue Art des Tanzes und auch Beethovens Musik, die motivisch und kompositorisch auf seine späteren großen sinfonischen Werke verweist. „Die Struktur von Beethovens Musik ist sehr eckig“, erzählt Stijn Celis. Es sei gewesen, Leichtigkeit und Verzierungen in die Bewegungen einzubauen.

Dass dies zu gelingen scheint, konnten Besucher einer Ballett-Probe vergangene Woche bereits in Auszügen erleben. Auch Arte war da und filmte. Die Saarbrücker Produktion wird im Internet auf „arte concert“ ab dem 15. Dezember für ein Jahr abrufbar sein. Und auch nach Bonn, Geburtsstadt Beethovens, und nach Heilbronn sind Stijn Celis und das Staatsballett eingeladen. Am Samstag ist aber erst Mal Premiere in Saarbrücken. In Vorfreude leuchet das Große Haus zurzeit in orange-rotem Lauflicht – und demnächst immer dann, wenn dort Prometheus mit dem Feuer spielt.

Premiere: Samstag, 5. Oktober,
19.30 Uhr, im Großen Haus. Eine Einführung gibt es 30 Minuten vor Beginn.
Karten: Tel. (06 81) 30 92 486,
www.staatstheater.saarland

  Die kanadische Tänzerin Kennedy Kraeling steht in „Prometheus“ zum ersten Mal auf der Saarbrücker Bühne.  Foto:  Martin Kaufhold
Die kanadische Tänzerin Kennedy Kraeling steht in „Prometheus“ zum ersten Mal auf der Saarbrücker Bühne. Foto:  Martin Kaufhold FOTO: Saarländisches Staatstheater / martinkaufhold.de
  Auch neu im Staatsballett und nun bei „Prometheus“ zu sehen: der australische Künstler Nobel Lakaev.
Auch neu im Staatsballett und nun bei „Prometheus“ zu sehen: der australische Künstler Nobel Lakaev. FOTO: Martin Kaufhold / martinkaufhold.de